
Stadtporträt
Miltenberg – Kreisstadt am Mainviereck
Miltenberg liegt linksmainisch am Knie des Mainvierecks zwischen Spessart und Odenwald, gehört seit 1816 zu Bayern und zählt mit den Nachbargemeinden über 22.000 Einwohner.
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Geschichte
Am Mainknie zwischen Odenwald und Spessart sicherten schon Ringwälle und römische Kastelle den Engpass – später gab die ab 1144 errichtete Mildenburg der Stadt ihren Namen.
Bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit nutzte man die strategische Lage des Engpasses am Mainknie und errichtete Ringwälle auf dem Greinberg und dem Bürgstadter Berg. Um 159/160 n. Chr. schlossen die Römer den Vorderen Limes an den Main an, der von hier nach Norden die Grenze zu Germanien bildete. Zwischen Miltenberg und Kleinheubach sowie zwischen Miltenberg und Bürgstadt liegen die Reste zweier Kastelle. Nach dem Limesfall bis spätestens 259/260 n. Chr. verloren sie ihre Funktion; das Kastell Miltenberg-Altstadt war laut Münzfunden noch im 4. Jahrhundert bewohnt. Ab dem 7., möglicherweise schon dem 6. Jahrhundert wurden die Ruinen im Zuge der fränkischen Ostkolonisation erneut genutzt, im 12. Jahrhundert entstand dort ein Wohnturm.
Die namensgebende Mildenburg wurde nach Forschungen von Wolfgang Hartmann ab 1144 auf Besitz des Klosters Amorbach errichtet. Die im Schutz der Burg entstandene Siedlung wird 1226 anlässlich eines Besuchs des Mainzer Erzbischofs Siegfried II. erstmals urkundlich erwähnt. Ab etwa 1379 begrenzten das Mainzer und das Würzburger Tor die lang gestreckte Altstadt. Der Miltenberger Buntsandstein war schon im Mittelalter gefragt; aus Miltenberg stammen auch die für den Bau des Mainzer Domes bestimmten Heunensäulen.
Bis 1803 gehörte Miltenberg zu Kurmainz und war Sitz des Amtes Miltenberg, woran das Mainzer Rad im Stadtwappen erinnert. Nach dem Reichsdeputationshauptschluss kam die Stadt zum Fürstentum Leiningen, 1806 zum Großherzogtum Baden, ab 1810 zu Hessen-Darmstadt und schließlich 1816 durch Vertrag zum Königreich Bayern; das Gemeindeedikt von 1818 begründete die heutige städtische Gemeinde. Juden werden in Miltenberg seit Mitte des 13. Jahrhunderts genannt; 1933 lebten 99 jüdische Personen in der Stadt, die letzten wurden 1942 deportiert. Südlich der Stadtmauer liegt der Alte Jüdische Friedhof.
Am 22. Februar 1945 griffen sechs amerikanische Jagdbomber die Stadt an, es gab 20 Tote; die Mainbrücke wurde am 28. März 1945 von deutschen Truppen gesprengt, am 31. März rückten US-Truppen ein. Die Mildenburg ist seit 1979 Eigentum der Stadt; nach Renovierungen und einer 2011 abgeschlossenen Sanierung befindet sich dort das Museum Burg Miltenberg. Zum 31. Dezember 2024 zählte die Stadt 9351 Einwohner.
Lage & Geografie
Miltenberg liegt am Knie des Mainvierecks zwischen Spessart und Odenwald, wo der Fluss nahe am Fuß des Odenwaldes verläuft.
Miltenberg ist die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises im Regierungsbezirk Unterfranken und gehört seit 1816 zum Königreich Bayern. Das heutige Stadtzentrum und der historische Ortskern liegen auf der linken Mainseite, dort, wo der Fluss zwischen den Höhenzügen von Spessart und Odenwald das Knie des Mainvierecks bildet.
Weil das Flussbett im Gebiet der Stadt dicht an den Fuß des Odenwaldes rückt, bleibt auf der linken Uferseite nur ein schmaler nutzbarer Streifen. Dieser wurde in den vergangenen Jahrhunderten wiederholt vom Hochwasser des Mains überschwemmt, wodurch die Altstadt zeitweise erheblichen Schaden nahm. Etwa seit Beginn des 20. Jahrhunderts dehnte sich Miltenberg nach Landkäufen von der Nachbargemeinde Großheubach auch auf die rechte Mainseite aus.
Die Höhenlage der Stadt reicht vom tiefsten Punkt im Main auf 120,5 m ü. NHN bis zum topographisch höchsten Punkt auf dem Gipfel des Berges „Kohlplatte“ südlich des Ortes mit 482 m ü. NHN. Miltenberg zählt etwas über 9300 Einwohner; zusammen mit den unmittelbar angrenzenden Gemeinden Großheubach, Kleinheubach und Bürgstadt sind es insgesamt mehr als 22.000.
Das Stadtgebiet umfasst acht Gemeindeteile. Der Hauptort selbst gliedert sich räumlich, jedoch nicht politisch, in mehrere Bereiche. Die Altstadt setzt sich aus dem historischen Siedlungskern zusammen, der zum Schwarzviertel gehört, sowie aus einer ersten Stadterweiterung, die westlich bis zum Schwertfegertor und östlich bis zum Wamessertor reicht, und einer zweiten Stadterweiterung, die sich westlich bis zum Mainzer Tor und östlich bis zum Würzburger Tor erstreckt.
Außerhalb der historischen Stadtmauern schließen sich im Uhrzeigersinn weitere Bereiche an. Westlich des Mainzer Tors liegen die Monbrunner Siedlung diesseits der Mud und Miltenberg-West jenseits des Flüsschens. Über die alte Mainbrücke ist am gegenüberliegenden Ufer Miltenberg-Nord erreichbar, das durch die Bahnlinie zweigeteilt wird und eng an das Großheubacher Gewerbegebiet Auweg grenzt. Östlich des Würzburger Tors und südlich des Vögeleinstors erstreckt sich Miltenberg-Ost, das baulich nahtlos in die Nachbargemeinde Bürgstadt übergeht, ergänzt durch das Villenviertel am Grauberg.
Auf dem Gemeindegebiet bestehen die Gemarkungen Breitendiel, Mainbullau, Miltenberg, Schippach/Mil und Wenschdorf. Die Gemarkung Miltenberg selbst hat eine Fläche von 36,543 km² und ist in 6701 Flurstücke aufgeteilt, die im Durchschnitt 5453,30 m² groß sind.
Kultur & Sehenswürdigkeiten
Von der Mildenburg über den historischen Marktplatz mit dem „Schnatterloch" bis zu einem der ältesten Gasthäuser Deutschlands prägen Bau- und Bodendenkmäler das Bild Miltenbergs.
Die Denkmallandschaft der Stadt reicht von der oberhalb gelegenen Mildenburg über die historische Altstadt mit dem Marktplatz, der umgangssprachlich „Schnatterloch" genannt wird, bis zu einer Reihe von Sakralbauten. Zu den erfassten Bau- und Bodendenkmälern zählen das Alte Rathaus, das Würzburger und das Mainzer Tor, die Stadtpfarrkirche St. Jakobus sowie die Franziskanerkirche. Die Johanneskirche entstand zwischen 1895 und 1897 nach Plänen des Architekten Ludwig Hofmann. Aus dem 14. Jahrhundert stammt die Laurentiuskapelle mit dem angrenzenden Laurentiusfriedhof. Südlich der Stadtmauer liegt der Alte Jüdische Friedhof, dessen Ursprünge bis ins Mittelalter zurückreichen.
Die Mildenburg befindet sich seit 1979 im Eigentum der Stadt Miltenberg. Die Außenteile wurden 1971 renoviert, eine über mehrere Jahre angelegte Sanierung und Restaurierung wurde 2011 abgeschlossen. Im Inneren ist heute das Museum Burg Miltenberg untergebracht, das Kunstsammlungen der Diözese Würzburg zeigt. Im Burghof stand früher der Toutonenstein, eine fünf Meter hohe Sandsteinsäule, deren Inschrift bis heute nicht gedeutet ist; sie befindet sich inzwischen im Museum Stadt Miltenberg.
Neben dem Museum Burg Miltenberg und dem Museum Stadt Miltenberg gibt es das Apothekenmuseum Miltenberg. Ein weiteres Angebot bildet die Route der Industriekultur Rhein-Main, die auf den 160 Kilometern zwischen Miltenberg und Bingen am Rhein Industriebauwerke zu einer Route über das Industriezeitalter in Süddeutschland verbindet. Rund 700 Bauwerke sind dabei wissenschaftlich erfasst, darunter der alte Miltenberger Hauptbahnhof.
Das Veranstaltungsjahr ist über mehrere feste Termine verteilt. Am ersten Juliwochenende findet im Zwei-Jahres-Rhythmus das „Mainfest" statt, das das frühere Altstadtfest abgelöst hat. Ende Juli schließen sich die „Mildenburger Theatertage" an. Vom letzten Augustwochenende bis zum ersten Septemberwochenende dauert zehn Tage lang die Michaelismesse, die als größtes Volksfest am Bayerischen Untermain gilt. Von Ende September bis Anfang Oktober folgt der „Miltenberger Weinherbst". An den vier Adventswochenenden von Freitag bis Sonntag ist der Weihnachtsmarkt geöffnet.
Wirtschaft & Infrastruktur
Miltenberg lebt vor allem vom Tourismus, vom Buntsandstein und vom Handel – und ist über den seit der Antike genutzten Main als Großschifffahrtsstraße angebunden, an dem 2017 ein Höchststand von 681 Kreuzfahrtschiffen gezählt wurde.
Die Wirtschaft der Stadt stützt sich vor allem auf Tourismus, den Buntsandstein und den Handel. Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Landkreis Miltenberg Platz 197 von 402 und wurde damit den Regionen mit ausgeglichenem Chancen-Risiko-Mix zugeordnet. Viele Einwohner finden Arbeit in den hessischen Ballungsräumen, an die Miltenberg angebunden ist.
Wichtigste Verkehrsachse ist das Maintal. Der Main dient seit der Antike als Wasserstraße und ist heute als Großschifffahrtsstraße ausgebaut; an zwei Anlegeplätzen der Stadtwerke EMB legten 2019 über 500 Flusskreuzfahrtschiffe an, nach einem Höchststand von 681 im Jahr 2017. Zudem verkehren Tagesausflugs- und Sportboote. Im Schienenverkehr ist Miltenberg Verknüpfungspunkt der 1876 eröffneten Strecke Aschaffenburg–Miltenberg mit den 1880 und 1912 in Betrieb genommenen Linien nach Seckach und Wertheim; 1977 ersetzte die Deutsche Bundesbahn den stadtnahen Kopfbahnhof durch einen nördlich des Mains gelegenen Durchgangsbahnhof.
Seit 1900 verbindet eine Straßenbrücke die Altstadt mit Miltenberg Nord. 2008 wurde eine Ortsumgehung mit der Martinsbrücke als zweiter Mainbrücke fertiggestellt; das 55 Millionen Euro teure Vorhaben wurde in Bayern erstmals über ein Public-Private-Partnership-Modell finanziert. Durch das Stadtgebiet führen die Bundesstraße 469 sowie mehrere Rad- und Wanderwege, darunter der Main-Radweg und der Fränkische Rotwein Wanderweg.
Zum produzierenden Gewerbe zählt die Hygienepapierfabrik Fripa, deren Abwärme über ein Nahwärmenetz mehrere Schulen versorgt und 2018 mit dem Klimaschutzpreis des Bundes Naturschutz ausgezeichnet wurde. In Miltenberg besteht das Brauhaus Faust, während die Kalt-Loch-Bräu bis Ende März 2010 bestand. Das 1909 gegründete Unternehmen Oswald Elektromotoren entwickelt und fertigt hier Motoren; Johannes und Bernhard Oswald erhielten dafür den Deutschen Umweltpreis 2017. Sitz der örtlichen Strom- und Wasserversorgung ist die EMB Energieversorgung Miltenberg-Bürgstadt.
Politik
Bei der Kommunalwahl am 8. März 2026 wurde der Stadtrat von Miltenberg neu gewählt. Die Stadt pflegt seit den 1980er Jahren Verbindungen ins europäische Ausland.
Miltenberg ist Sitz der Verwaltung des gleichnamigen Landkreises im Regierungsbezirk Unterfranken und damit dessen Kreisstadt. Der heutige Landkreis entstand am 1. Juli 1972, als sich der Altkreis Miltenberg mit dem Landkreis Obernburg am Main zusammenschloss. Die Zugehörigkeit zu Bayern besteht seit 1816; zuvor hatte die Stadt bis 1803 zu Kurmainz gehört und war dort Sitz des Amtes Miltenberg. An diese Vergangenheit erinnert bis heute das Mainzer Rad im Stadtwappen.
Das kommunale Vertretungsorgan ist der Stadtrat, der bei der Kommunalwahl neu bestimmt wurde. Neben den Ratswahlen werden in Miltenberg auch die Ergebnisse überörtlicher Urnengänge erfasst, namentlich der Bundestags-, Landtags- und Europawahlen. Bei diesen Auswertungen ist zu beachten, dass eine der geführten Parteien bis zum Jahr 2007 noch unter der Bezeichnung PDS antrat.
An der Spitze der Stadt steht der Bürgermeister. Zur Amtsgeschichte gehört eine fortlaufende Reihe der Amtsinhaber, die die Kontinuität der kommunalen Leitung über die verschiedenen politischen Epochen hinweg dokumentiert.
Einen festen Platz im öffentlichen Leben nehmen die Verbindungen der Stadt zu ausländischen Kommunen ein. Seit 1982 besteht eine Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Arnouville in der Region Île de France. Eine zweite Partnerschaft verbindet Miltenberg seit dem 16. November 2004 mit der tschechischen Stadt Duchcov in Böhmen.
Diese Beziehung nach Böhmen hat einen längeren Vorlauf: Bereits 1960 übernahm Miltenberg die Patenschaft für die vertriebenen Sudetendeutschen aus der Stadt und dem Landkreis Dux. Aus dieser Patenschaft entwickelte sich im Jahr 2004 die förmliche Städtepartnerschaft mit Duchcov, sodass eine ursprünglich aus der Nachkriegsgeschichte hervorgegangene Verbindung in eine dauerhafte kommunale Kooperation überführt wurde.
Miltenberg in Zahlen
Demografie, Flächennutzung und Politik — aus offiziellen offenen Daten.
Miltenberg: Alter nach Geschlecht (Stand 31.12.2024).
Quelle: Regionalstatistik (Alter × Geschlecht) · Tab. 12411-02-03-5
Miltenberg im Vergleich
Miltenberg gegenüber den Gemeinden im Miltenberg oder den umliegenden Nachbarstädten — oben umschalten. Gebiete anhaken — ihre Werte erscheinen als farbige Marker auf den Balken.
Gebiete anhaken — ihre Werte erscheinen als farbige Marker auf den Balken.
Struktur
Flächennutzung (2015)
Wirtschaft
Quelle: Regionalstatistik · Beschäftigte (Tab. 13111-01-03-5)
Bildung & Familie (je 10.000 Einw.)
Gesundheit & Versorgung (je 10.000 Einw.)
Sport & Freizeit (je 10.000 Einw.)
Gebiete anhaken — ihre Werte erscheinen als farbige Marker auf den Balken.
Politische Stimmung (Bundestagswahl 23.02.2025)
Quelle: Die Bundeswahlleiterin · Wahlbezirksergebnisse BTW 2025
Geschichte in Kürze
- um 159/160 n. Chr.Römer schließen den Vorderen Limes bei Miltenberg an den Main an
- bis 259/260 n. Chr.Limesfall, Abzug der römischen Truppen, Kastelle verlieren ihre Funktion
- ab 1144Bau der Mildenburg auf Besitz des Klosters Amorbach
- 1226Erste urkundliche Erwähnung Miltenbergs anlässlich eines Besuchs des Mainzer Erzbischofs
- 1803Ende der Zugehörigkeit Miltenbergs zu Kurmainz
- 1818Gründung der heutigen städtischen Gemeinde im Zuge des Gemeindeedikts
- 1942Deportation der letzten jüdischen Einwohner Miltenbergs
- 1945Bombenangriff auf die Stadt und Sprengung der Mainbrücke
Wusstest du?
Der Marktplatz von Miltenberg heißt im Volksmund „Schnatterloch“, und es gibt einen Zierbrunnen namens Staffelbrunserbrunnen mit drei Knabenfiguren, die Wasser urinieren – benannt nach einem Spottnamen für die Bewohner.
Im Burghof der Mildenburg stand einst der Toutonenstein, eine fünf Meter hohe Sandsteinsäule, deren Inschrift bis heute nicht entschlüsselt werden konnte.
Die berühmten Heunensäulen für den Bau des Mainzer Doms stammen aus Miltenberg; eine davon steht noch heute mit Hinweistafel auf dem Mainzer Domplatz.
Zwischen 1803 und 1816 wechselte Miltenberg innerhalb kürzester Zeit gleich viermal die Landesherrschaft – von Kurmainz über das Fürstentum Leiningen und Baden bis nach Hessen-Darmstadt, ehe es 1816 zu Bayern kam.
Am 28. März 1945 sprengten zurückweichende deutsche Truppen die Mainbrücke, ohne sie zuvor für den Verkehr gesperrt zu haben.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg hatte sich die Einwohnerzahl Miltenbergs von über 3000 (1619) etwa halbiert; die Marke von 3000 wurde erst wieder Anfang des 19. Jahrhunderts überschritten.
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Quellen & Links
- Wikipedia (abgerufen 2026-07-13)
- openstreetmap.org
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