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Wachtendonk – Festungsstadt zwischen Niers und Nette

Stadtporträt

Wachtendonk – Festungsstadt zwischen Niers und Nette

Eine Wasserburg auf der Donk gab dem Ort den Namen, Stadtrechte seit 1343 – heute historischer Ortskern, Flusslandschaft und viel Natur am unteren Niederrhein.

© Palickap · CC BY-SA 3.0

Auf einen Blick

ca. 8.150
Einwohner
0
Fläche
seit 1343
Stadtrechte
Kleve (NRW)
Kreis
Wachtendonk & Wankum
Ortschaften
0
Naturschutzgebiete

Geschichte

© Sir Gawain · CC BY-SA 4.0

Von der Wasserburg der Kölner Vögte über die umkämpfte Festung des Geldrischen Oberquartiers bis zur preußischen Landgemeinde – Wachtendonks Geschichte ist die Geschichte einer Grenzstadt.

Vor den Franken, die das Gebiet im 3. und 4. Jahrhundert eroberten, hinterließen die Römer nur wenige Spuren. Die Landschaft rund um das heutige Wachtendonk trug den Namen Land Geißern und zählte nach germanischer Einteilung zum Mühlgau. Im 12. Jahrhundert brachten die Erzbischöfe von Köln dieses Gebiet in ihren Besitz. Ihre Vögte errichteten auf einer Erhebung im feuchten Bruchland, einer sogenannten Donk, eine Wasserburg. Aus dieser Vogtendonk entstand der Ortsname Wachtendonk.

Seit 1326 gehörte der Ort zum Oberquartier des Herzogtums Geldern und erhielt 1343 die Stadtrechte. Die Siedlung wurde mit Gräben und einer Stadtmauer gesichert und bekam eine eigene Kirche. Zeitweise war Wachtendonk an das Herzogtum Kleve verpfändet, was zu Spannungen zwischen Geldern und Kleve führte und 1468 in die Schlacht von Straelen mündete. In deren Folge fiel Wachtendonk erneut an Geldern.

Wegen seiner Lage an der Ostgrenze Gelderns war Wachtendonk im Achtzigjährigen Krieg mehrfach umkämpft. 1572 nahmen Truppen Wilhelms von Oranien die Festung ein, 1578 besetzten Truppen der Generalstaaten die Stadt für zehn Jahre. 1588 eroberte Graf Ernst von Mansfeld den Ort für Spanien zurück, das ihn 1600 wieder an die Niederländer abgeben musste. Trotz des Ausbaus mit Wällen und Gräben wechselte die Festung erneut an Spanien. 1607 wurde die Befestigung geschleift. Die nahe gelegene Niederungsburg am linken Ufer der Niers war in diesen Auseinandersetzungen ebenfalls betroffen; bei einer Eroberung 1603 wurde sie so stark beschädigt, dass sie nicht wieder aufgebaut wurde. In den 1960er Jahren legten Ausgrabungen ihre Fundamente frei.

Nach dem Spanischen Erbfolgekrieg fiel Wachtendonk 1713 im Frieden von Utrecht mit Teilen des Herzogtums Geldern an Preußen. Ab 1794 hielten die französischen Revolutionsheere das linke Rheinufer für zwanzig Jahre besetzt; der Ort gehörte zeitweise zum 1798 gebildeten Département de la Roer und bildete eine Mairie im Kanton Wankum, Arrondissement Kleve. Nach Napoleons Abdankung kam Wachtendonk 1815 auf dem Wiener Kongress wieder an Preußen, wo es bis zum Zweiten Weltkrieg blieb. Für die Stadt endete dieser am 3. März 1945 mit dem Einmarsch der 8. US-Panzer-Division.

Der Ortsname Wankum leitet sich vom fränkischen Wankheim ab. Die Martinspfarre wird auf die Zeit um 500 datiert; erstmals urkundlich erscheint der Ort am 28. August 1279 als Wanchheim, als hier der spätere Wankumer Landfrieden geschlossen wurde – ein Vertrag gegen Falschmünzerei und Raubrittertum.

Die heutige Gemeinde Wachtendonk entstand am 1. Juli 1969 aus dem Zusammenschluss der Stadt Wachtendonk und der Gemeinde Wankum. Da die Rechte der Titularstadt fortbestanden, ist eine „Stadt“ hier Ortsteil einer Gemeinde. 1975 kam der Ort zum neu gebildeten Großkreis Kleve.

Niers, Nette & Natur

© Christoph Sager · CC BY-SA 4.0

Nördlich des Ortes mündet die Nette in die Niers. Drei Naturschutzgebiete, Kanutouren auf der Niers und der Badesee Blaue Lagune machen die Flusslandschaft erlebbar.

Wachtendonk liegt am unteren Niederrhein in der niederrheinischen Tiefebene, nahe der niederländischen Grenze bei Venlo. Prägend sind die beiden Flüsse: Nördlich des Ortes mündet die Nette in die Niers, die das Gemeindegebiet durchzieht.

Gleich drei Naturschutzgebiete schützen diese Landschaft: die Caenheide und Mittlere Niersaue entlang des Flusses, die Heronger Buschberge mit der Wankumer Heide im Südwesten und das Vorster Feld. Wanderwege und die auffallend ruhige Flusslandschaft machen sie zu lohnenden Zielen.

Auf dem Wasser ist die Niers ein beliebtes Revier für Kanu- und Paddeltouren – mehrere Verleihe und Tourenanbieter starten in und um Wachtendonk. Im Ortsteil Wankum lädt außerdem der Badesee Blaue Lagune zum Schwimmen, dazu kommt ein vereinsbetriebenes Naturfreibad an der Wankumer Straße.

Wankum

© Edgar El · CC BY 3.0

Die zweite Ortschaft der Gemeinde: 1279 als Wanchheim erstmals erwähnt, seit 1969 Teil Wachtendonks – mit Heide, Badesee und gelebtem Schützen-Brauchtum.

Wankum umfasst die südwestliche Hälfte des Gemeindegebiets und wurde erstmals in der Urkunde zum Wankumer Landfrieden vom 28. August 1279 als „Wanchheim“ erwähnt – fränkisch für „Heim in den Wiesen und Weiden“.

Von 1798 bis 1814 stand Wankum unter französischer Herrschaft und war Sitz einer eigenen Mairie, aus der die preußische Bürgermeisterei Wankum hervorging. Erst am 1. Juli 1969 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Teil von Wachtendonk.

Zur Ortschaft gehören neben dem Dorf die Ansiedlungen Aerbeck, Harzbeck, Langdorf, Müllem und Vorst. Im Südwesten liegen das Naturschutzgebiet Wankumer Heide und der Badesee Blaue Lagune. Das örtliche Brauchtum trägt unter anderem die Vereinigte St. Johannes- & St. Martini-Schützenbruderschaft von 1532; die katholische Pfarrkirche St. Martin prägt das Dorfbild. Über die Anschlussstelle Wankum ist die Gemeinde an die A 40 angebunden.

St. Martin & Brauchtum

© Michielverbeek · CC BY-SA 3.0

Gleich drei Martinszüge an drei Abenden – in Wachtendonk, Wankum und Harzbeck. Der Martinsbrauch gehört zu den lebendigsten Traditionen des Jahres.

Kaum ein Brauch prägt den Wachtendonker November so wie St. Martin. In der Gemeinde ziehen gleich drei eigenständige Martinszüge – in der Stadt Wachtendonk, im Ortsteil Wankum und in Harzbeck –, jeder an einem eigenen Abend und getragen vom örtlichen St.-Martins-Komitee. Finanziert wird das Brauchtum traditionell über eine Haussammlung im Oktober.

Der Zug in der Stadt Wachtendonk findet stets am 11. November statt. Er startet am Schulhof Schoelkensdyck und führt mit Laternen und Musik zum Friedensplatz, wo das Martinsfeuer brennt und die Mantelteilung nachgespielt wird. Anschließend gibt es die Martinstüten an der Michael-Grundschule.

In Wankum beginnt der Abend mit einem Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Martin; von dort reitet der heilige Martin dem Zug voran, und entlang des Weges prämiert ein Wettbewerb den schönsten Häuserschmuck. In Harzbeck klingt der dritte Zug mit Martinsfeier und der Versteigerung der Martinstüten aus. Eine Wachtendonker Besonderheit: Nicht nur die Kinder bekommen eine Martinstüte – auch alle Einwohnerinnen und Einwohner ab 75 Jahren werden mit einem Weckmann bedacht.

Wachtendonk in Zahlen

Demografie, Flächennutzung und Politik — aus offiziellen offenen Daten.

Bevölkerungspyramide
436
75+
414
574
65–74
502
296
60–64
363
622
50–59
673
499
40–49
486
529
30–39
507
399
20–29
320
197
15–19
209
586
0–14
605
MännlichWeiblich

Wachtendonk: Alter nach Geschlecht (Stand 31.12.2024).

Quelle: Regionalstatistik (Alter × Geschlecht) · Tab. 12411-02-03-5

Wachtendonk im Vergleich

Wachtendonk gegenüber den Gemeinden im Kreis Kleve oder den umliegenden Nachbarstädten — oben umschalten. Gebiete anhaken — ihre Werte erscheinen als farbige Marker auf den Balken.

Kreis KleveNachbarstädte

Gebiete anhaken — ihre Werte erscheinen als farbige Marker auf den Balken.

Struktur

Einwohner8.217 · Rang 14/16
Fläche48,17 km² · Rang 15/16
Bevölkerungsdichte171 /km² · Rang 12/16

Quelle: Regionalstatistik (Bevölkerung, Fläche, Alter)

Flächennutzung (2015)

Landwirtschaft66,5 % · Rang 8/16
Wald14,6 % · Rang 10/16
Siedlung & Verkehr14,8 % · Rang 11/16
Wasser3,4 % · Rang 6/16

Quelle: Regionalstatistik · Tab. 33111-01-01-5

Wirtschaft

Beschäftigte am Arbeitsort2.048 · Rang 15/16
Beschäftigte ausländisch16,8 % · Rang 7/16

Quelle: Regionalstatistik · Beschäftigte (Tab. 13111-01-03-5)

Bildung & Familie (je 10.000 Einw.)

Schulen3,7 · Rang 3/16
Kindergärten6,1 · Rang 7/16
Spielplätze26,8 · Rang 3/16

Quelle: OpenStreetMap · Karte der Einrichtungen

Gesundheit & Versorgung (je 10.000 Einw.)

Arztpraxen2,4 · Rang 14/16
Apotheken1,2 · Rang 13/16
Supermärkte3,7 · Rang 9/16

Quelle: OpenStreetMap · Karte der Einrichtungen

Sport & Freizeit (je 10.000 Einw.)

Sportplätze48,7 · Rang 2/16
Gastronomie20,7 · Rang 1/16

Quelle: OpenStreetMap · Karte der Einrichtungen

Gebiete anhaken — ihre Werte erscheinen als farbige Marker auf den Balken.

Politische Stimmung (Bundestagswahl 23.02.2025)

CDU38,9 % · Rang 4/16
SPD15,9 % · Rang 14/16
FDP5,5 % · Rang 2/16
AfD16,9 % · Rang 4/16
GRÜNE10,6 % · Rang 6/16
Die Linke5 % · Rang 15/16

Quelle: IT.NRW Landesdatenbank NRW · Tab. 14111-01i

Geschichte in Kürze

  1. 12. Jh.
    Vögte der Kölner Erzbischöfe errichten eine Wasserburg auf der Donk – Ursprung des Ortsnamens.
  2. 1279
    Wankum wird im Wankumer Landfrieden erstmals als „Wanchheim“ erwähnt.
  3. 1326
    Wachtendonk kommt zum Oberquartier des Herzogtums Geldern.
  4. 1343
    Wachtendonk erhält die Stadtrechte und wird befestigt.
  5. 1468
    Schlacht von Straelen – Wachtendonk fällt an das Herzogtum Geldern zurück.
  6. 1572–1600
    Im Achtzigjährigen Krieg wechselt die Festung mehrfach zwischen Niederländern und Spaniern.
  7. 1607
    Die Befestigung wird geschleift.
  8. 1713
    Im Frieden von Utrecht fällt Wachtendonk an Preußen.
  9. 1794
    Französische Revolutionstruppen besetzen das linke Rheinufer – zwanzig Jahre französische Herrschaft.
  10. 1969
    Wankum wird Teil der Gemeinde Wachtendonk.

Wusstest du?

Der Name Wachtendonk stammt von einer „Donk“ – einer sandigen Erhebung im Bruch, auf der die Vögte der Kölner Erzbischöfe ihre Wasserburg bauten.

Die nächste Großstadt ist nicht in Deutschland: Venlo in den Niederlanden liegt nur 13 Kilometer entfernt – Krefeld folgt erst mit 20 Kilometern.

Wachtendonk war im 16. und 17. Jahrhundert der militärisch wichtigste Ort im Geldrischen Oberquartier.

In der kleinen Gemeinde ziehen gleich drei Martinszüge durch die Straßen – in Wachtendonk, Wankum und Harzbeck, jeder an einem eigenen Abend.

Der historische Ortskern steht als Gesamtanlage unter Denkmalschutz: rund 120 Baudenkmäler, und der Straßenverlauf ist seit 1560 fast unverändert.

Das älteste Haus im Ortskern, das Haus Püllen von 1634, beherbergt heute die Tourist-Information und das Naturparkzentrum.

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Quellen & Links

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