Nike-Stellung Mainbullau
Auf dem Steinkopf über Mainbullau hielt die US-Armee im Kalten Krieg eine Nike-Flugabwehrraketen-Stellung bereit.
Hoch über Mainbullau, auf dem waldbedeckten Steinkopf, unterhielt das US-Militär während des Kalten Krieges eine Raketenstellung des Nike-Systems zur Luftabwehr.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- Früherer Raketenstartplatz der US-Armee aus dem Kalten Krieg
- Lage
- Etwa 1,5 Kilometer westnordwestlich von Mainbullau, einem Ortsteil von Miltenberg (Landkreis Miltenberg, Bayern)
- Standort
- 464 Meter hoher Steinkopf im Buntsandstein-Odenwald
- Ausdehnung
- Linear entlang einer eineinhalb Kilometer langen West-Ost-Achse
- Aufbau
- Drei Bereiche von West nach Ost
- Besatzung
- B-Batterie mit etwa 80 bis 130 Soldaten
Aufbau der Anlage
Von West nach Ost teilte sich die Stellung in drei Abschnitte. Auf dem Gipfel lag der Feuerleitbereich IFC (Integrated Fire Control) samt Radaranlagen. Es schlossen sich der Wohnbereich mit Kaserne und Fahrzeug-Wartungsgebäude an, gefolgt vom Startbereich unmittelbar an der Flur von Mainbullau. Zu diesem gehörten Gebäude zur Wartung von Sprengköpfen und Flugkörpern, Lagerbunker, mehrere Hangars für die Startwagen sowie betonierte Abschussflächen.
Anbindung
Der Höhenzug erhebt sich über dem nach Südwesten abfallenden Taleinschnitt des Ohrenbachs. Von Mainbullau aus führte eine befestigte Stichstraße zum Gelände. Zusätzlich bestand eine 4,2 Kilometer lange Militärstraße, die – unter Umgehung der Ortslage – nahe der Heunensäulen von der Kreisstraße MIL5 abzweigte und am Nordhang des Bullauer Bergs entlangführte.
Geschichte
Seit der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre brachten die US-Streitkräfte das Nike-System auch nach Europa, um hochfliegenden, nuklear bestückten Bombern des Warschauer Paktes begegnen zu können. Vorgesehen waren Nike-Ajax- und später Nike-Hercules-Raketen, die selbst mit nuklearem Gefechtskopf bestückbar waren. Ein zunächst geplanter Standort nahe Vielbrunn beim bereits bestehenden Munitionslager Hainhaus wurde von den lokalen Gremien abgelehnt, vor allem wegen des Verlusts an gutem Ackerland; so entschied man sich für das Waldstück bei Mainbullau. Stationiert war hier die B-Batterie des 1st Battalion der 67th Air Defense Artillery Division.
Spätere Nutzung
Nach dem Abzug der Nike-Hercules-Raketen Mitte 1969 blieb das Areal etwa zehn Jahre ungenutzt. Anfang der 1970er-Jahre war es zeitweise als QRA-Zone (Quick Reaction Alert) vorgesehen, für das mit nuklear bestückten ballistischen Kurzstreckenraketen des Typs Pershing I ausgerüstete 3rd Bn, 84th FA der 56th Field Artillery Brigade aus Neckarsulm; die NATO-Bezeichnung lautete „Interim Pershing Site 19“. Ab 1979 bezog, parallel zum Ausbau des Munitionslagers Hainhaus, die 2043rd CSG (Ord) die Kaserne. Diese Zivilangestellten der US-Armee waren für die Wartung der Munition in den Depots Hainhaus (PSP 5J) und Wertheim (PSP 6J) zuständig. 1992 gab das Militär das Gelände auf.
Heute
Auf dem Gelände und in den erhaltenen Gebäuden produziert überwiegend die Maxiholz GmbH Holzhackschnitzel. Der Schießstand am früheren Feuerleitbereich dient Mitgliedern des Deutschen Jagdverbandes. Ein in den 2000er-Jahren unternommener Anlauf, im IFC-Bereich Windkraftanlagen zu bauen, blieb erfolglos.
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