St. Michael
St. Michael ist die Wallfahrts- und Klosterkirche des Klosters Engelberg über dem Main, das rund 250 Meter hoch auf einem Spessart-Ausläufer über Großheubach thront – südöstlich davon liegt Miltenberg, von wo ein alter Pilgerweg heraufführt. Die Kirche trägt ein Doppelpatrozinium: Sie ist dem Erzengel Michael geweiht und zugleich Ziel der Marienwallfahrt zum spätmittelalterlichen Gnadenbild „Maria von der Freude“.
St. Michael ist die Klosterkirche des Klosters Engelberg über dem Main und steht auf einem markanten Bergrücken hoch über Großheubach im unterfränkischen Maintal. Der Ort verbindet zwei Frömmigkeitstraditionen: die Verehrung des Erzengels Michael als Anführer der himmlischen Heerscharen und die Wallfahrt zu einem hölzernen Marien-Gnadenbild. Für Miltenberg-Besucher ist der Engelberg ein lohnendes Ziel jenseits der Altstadt – nicht zuletzt wegen der Aussicht und der klostereigenen Schänke.
Auf einen Blick
- Patrozinium
- Erzengel Michael, dazu Marien-Wallfahrt zum Gnadenbild „Maria von der Freude“
- Baustil
- schlichte Bettelordenskirche, geostet, mit neobarockem Innenraum
- Heutige Kirche
- ab 1630 unter den Kapuzinern errichtet; der quadratische Chor ist der älteste Teil
- Lage
- rund 250 m hoch auf dem Engelberg, einem Ausläufer des Spessart über Großheubach
- Zugang
- über die „Engelsstaffeln“, 612 Sandsteinstufen von Großheubach hinauf
- Träger heute
- seit November 2024 die Oblaten des heiligen Joseph – ihre erste Niederlassung in Deutschland
- Besonderheit
- offizielle Grablege der Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg; Klosterschänke mit dunklem Bier aus Holzfässern
Geschichte der Wallfahrt
Der Berg trug ursprünglich den Namen „Rulesberg“ und war schon in vorchristlicher Zeit eine Kultstätte; daran erinnert bis heute ein mächtiger Felsblock mit schüsselförmiger Vertiefung. Um 1300 entstand hier eine einfache Holzkapelle für den Erzengel Michael, der gerne an früheren heidnischen Heiligtümern zum Patron gewählt wurde – so wurde aus dem „Rulesberg“ nach und nach der „Engelberg“. Wenig später, für das Jahr 1310 überliefert, kam eine Marienstatue hinzu, die seither als wundertätiges Gnadenbild verehrt wird. Aus dieser Doppelverehrung von Michael und der Gottesmutter erwuchs die Wallfahrt, deren älteste erhaltene Urkunde von 1406 stammt.
Als der Zustrom der Pilger wuchs, berief der Mainzer Erzbischof Anselm Casimir 1630 die Kapuziner auf den Berg und ließ Kloster und Kirche errichten. 1637 legte man die Engelsstaffeln als Pilgerweg an, 1647 wurde die Niederlassung zum Konvent erhoben. Mit der Säkularisation 1803 wurde das Kloster aufgelöst und die Wallfahrt untersagt; die Kapuziner mussten nach Aschaffenburg umziehen. Auf Anordnung König Ludwigs I. von Bayern eröffneten 1828 die Franziskaner den Ort wieder, die den Engelberg fast zwei Jahrhunderte prägten. 2019 beschloss die Deutsche Franziskanerprovinz, das Kloster aufzugeben; vollzogen wurde dies am 31. Juli 2024.
Die Klosterkirche
Die geostete Kirche ist als schlichte Bettelordenskirche gebaut und besitzt kein eigentliches Querschiff. In Höhe des mittleren Langhaus-Jochs sind seitlich zwei niedrigere Kapellen angefügt: rechts die Marienkapelle, links die dem heiligen Antonius von Padua geweihte Kapelle. Der quadratische Chor gilt als ältester Bauteil; statt eines Turms trägt die Kirche einen Dachreiter. Über der Westfassade steht ein steinernes Kreuz auf dem Dachfirst; in einer Muschelnische zeigt eine drei Meter hohe Steinskulptur den Kirchenpatron Michael im Kampf mit Satan, 1635 vom Miltenberger Bildhauer Zacharias Huncker d. Ä. geschaffen. Über dem Portal steht Maria mit dem Jesuskind zwischen zwei Engeln, darunter die lateinische Inschrift HIC EST DOMUS DEI ET PORTA CAELI – „Hier ist das Haus Gottes und die Pforte des Himmels“.
Der einschiffige Innenraum ist neobarock gestaltet. Farbig abgesetzte Pilaster gliedern das Schiff in drei Joche, deren Deckengemälde die Engelthematik aufgreifen: die Vertreibung aus dem Paradies über der Orgelbühne, der Kampf Michaels gegen Luzifer im mittleren Joch und die Verkündigung im vorderen Joch. Die heutigen Altäre stammen sämtlich aus dem 20. Jahrhundert; der Hochaltar wurde 1909 geschaffen, davor steht ein moderner Zelebrationsaltar.
Marienkapelle und Gnadenbild
Die 1701 geweihte Marienkapelle rechts vom Langhaus birgt das eigentliche Ziel der Wallfahrer: das hölzerne, geschnitzte Gnadenbild „Maria von der Freude“ aus dem 14. Jahrhundert. Die nur 75 Zentimeter hohe Figur zeigt eine sitzende, mild lächelnde Maria, die in der Rechten ein Zepter hält und mit der Linken das Jesuskind stützt, das in der Haltung eines Lehrenden ein Buch präsentiert. Über dem Bild ist die Krönung Mariens durch die Heilige Dreifaltigkeit dargestellt, flankiert vom heiligen Josef und der heiligen Anna. Grabmäler an den Seitenwänden zeigen, dass die Kapelle zeitweise auch als Grablege diente – der Engelberg ist seit 1724 offizielle Grablege des Fürstenhauses zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg.
Pilgerwege und Umgebung
Der kürzeste Aufstieg von Großheubach führt über die „Engelsstaffeln“ (auch „Himmelssteige“ genannt) mit ihren 612 Stufen; der Weg ist von Kreuzwegstationen und sechs Wegkapellen gesäumt. Von Miltenberg im Südosten führt der „Maria-Hilf-Weg“ als Waldpfad zur Andachtsstätte hinauf, an dem die um 1690 entstandene Maria-Hilf-Kapelle steht. Nördlich der Kirche gelangt man am Klosterfriedhof vorbei durch einen Torbogen zum „Franziskus-Garten“ mit einer Bronzefigur des Heiligen als „Spielmann Gottes“.
Kloster heute
Seit November 2024 leben auf dem Engelberg die Oblaten des heiligen Joseph, deren Gemeinschaft hier ihre erste Niederlassung in Deutschland gegründet hat (offiziell am 3. November 2024). Das Kloster bleibt Ziel zahlreicher Pilger und Ausflügler und ist bekannt für sein dunkles, in Holzfässern gereiftes Bier, das in der Klosterschänke ausgeschenkt wird. Die Kirche ist montags sowie mittwochs bis sonntags von 7 bis 18 Uhr geöffnet.
Karte
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Adresse
Kloster Engelberg 1
Miltenberg
Öffnungszeiten
Mo: 07:00–18:00
Di: 07:00–18:00
Mi: 07:00–18:00
Do: 07:00–18:00
Fr: 07:00–18:00
Sa: 07:00–18:00
So: 07:00–18:00
Kontakt
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Quellen & Links
- Offizielle Website
- Offizielle Website (abgerufen 2026-07-18)
- openstreetmap.org (abgerufen 2026-07-13)
- Wikipedia (abgerufen 2026-07-21)
Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-07-21
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