Kastell Miltenberg-Ost
Endpunkt des Mainlimes am Fluss und Beginn des Vorderen Limes – ein römisches Grenzlager, das heute vollständig überbaut ist.
Bei Miltenberg in Unterfranken lag mit dem Kastell Miltenberg-Ost, das auch den Namen Kastell Bürgstadt trug, eine römische Garnison aus der Zeit des Prinzipats. Sie beendete im Süden die Reihe der Mainlimes-Anlagen und leitete zugleich zum nördlichen Anfang des „Vorderen Limes“ über, der Teil des UNESCO-Welterbes „Obergermanisch-Raetischer Limes“ ist.
Auf einen Blick
- Art
- Römisches Kastell aus der Prinzipatszeit
- Provinz
- Germania superior
- Besatzung
- Ein Numerus für Sicherung und Überwachung
- Gründung
- Um 159/160 n. Chr. als Holz-Erde-Lager
- Steinkastell
- 86,37/85,90 × 70,88/73,83 Meter (0,63 Hektar)
- Standort
- Gemarkungsgrenze zu Bürgstadt zwischen Gartenstraße und Bürgstädter Straße
- Heute
- Oberirdisch nichts erhalten, Gelände mit Privathäusern überbaut
Lage und Umgebung
Rund 130 Meter nordwestlich der Nordwestumwehrung fließt der Main. Am Kastell endet der Mainlimes: Hier löst sich die Grenzlinie vom Fluss und schwenkt südwärts nach Walldürn ab (Strecke 7). Diesen Abzweig hatte Oskar Winterhelt bereits 1911 durch die Entdeckung von Wachturm 6 der Strecke 7 lokalisiert. In der Nähe steht die Staatliche Berufsschule Miltenberg-Obernburg.
Strategische Bedeutung
Das Lager entstand, als die Grenze unter Kaiser Antoninus Pius nach Osten auf den Vorderen Limes vorverlegt wurde. Dieser Garnisonswechsel war langfristig geplant und betraf sämtliche Militärstandorte entlang des Neckar-Odenwald-Limes. Zeitgleich wurde in unmittelbarer Nähe am selben Mainufer das rund 2300 Meter nordwestlich gelegene Kastell Miltenberg-Altstadt angelegt. Miltenberg-Ost war der südlichste Standort am „Nassen Limes“ und zugleich der nördlichste des Vorderen Limes. Am Altstadtkastell begann die Militär- und Handelsstraße vom Maintal zum Rhein und Neckar.
Bauliche Gestalt
Auf das erste Holz-Erde-Lager folgte ein Steinkastell mit leicht unregelmäßigem, nicht ganz rechteckigem Grundriss und abgerundeten Ecken. Die Umfassungsmauer war zu großen Teilen erhalten und ragte stellenweise noch fünf Steinlagen über den vorspringenden Sockel auf; das aufgehende Mauerwerk maß ohne Sockel 1,60 Meter Breite. Ein roter Fugenstrich hob die Fugen des sauber gesetzten Schalenmauerwerks hervor. Der Konservator Georg Hock verglich die handwerkliche Ausführung mit den nahen Brittonenbauten am Odenwaldlimes. Der Mauer vorgelagert waren eine 1,40 Meter breite Berme und ein Spitzgraben, der oben noch fünf Meter breit sowie 1,50 bis 1,70 Meter tief war.
Tore und Bauinschrift
Vier einspurige Tore erschlossen das Innere, drei davon mit je zwei rechteckigen Tortürmen. Die zum Main gerichtete Porta praetoria grub Winterhelt vollständig aus; ihre Durchfahrt war 4,14 Meter breit, und an einem Torturm blieb ein Steinblock zur Aufnahme eines Torflügels erhalten. Das rückwärtige Südosttor, die Porta decumana, bestand nur aus zwei 0,70 Meter breiten Zungenmauern und maß insgesamt 3,23 Meter Breite bei 3,65 Meter lichter Tiefe. Im Spitzgraben vor der Porta decumana kam 1979 eine Bauinschrift aus rotem Sandstein zutage. Sie nennt die Kaiser Septimius Severus und dessen Sohn Caracalla und datiert die Steinphase in die Jahre 198 bis 209 n. Chr.
Forschung und heutiger Zustand
Lange vermuteten Heimatforscher den Standort in der seit Mitte des 17. Jahrhunderts „Im Bürglin“ genannten Flur. Erst 1912 stieß Winterhelt bei Bauarbeiten auf die Reste und grub das Lager 1912/1913 erstmals aus. Zu Beginn der Forschung durch die Reichs-Limeskommission lagen die Überreste noch fast vollständig auf freiem Feld, ehe sie durch Neubauten vollständig zerstört wurden. Ab 1979 folgten Untersuchungen mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege; Sondagen im Überschwemmungsbereich vor der Westfront blieben 1984 und 1998 ohne Befund. 1998 ließen sich Randbereiche des Kastellvicus mit Töpferöfen untersuchen, und Marcus Jae erfasste bei einer Grabung etwa ein Sechstel der Innenfläche in der Osthälfte samt Porta principalis dextra. Da die Stadtplaner die alten Grenzen und Straßenverläufe nicht übernahmen, lässt sich die Topographie heute nicht mehr nachvollziehen; das privat bebaute Gelände ist nicht zugänglich.
Karte
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Adresse
Am Stadtweg 15
Miltenberg
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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-07-13
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