Kastell Miltenberg-Altstadt
Römisches Kohortenkastell an der Nahtstelle von Mainlimes und „Vorderem Limes" – südlichster Standort am „Nassen Limes" und Teil des UNESCO-Welterbes.
An der Nahtstelle zwischen dem Mainlimes und dem „Vorderen Limes" bewachten römische Soldaten von diesem Kohortenkastell aus die Reichsgrenze. Der Abschnitt gehört heute zum UNESCO-Welterbe „Obergermanisch-Raetischer Limes".
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- Römisches Kohortenkastell des Prinzipats
- Lage
- Flur „In der Altstadt", etwa zwei Kilometer nordwestlich des mittelalterlichen Stadtkerns von Miltenberg in Bayern
- Provinz
- Germania superior
- Gegründet
- Um 159/160 n. Chr.
- Bauphasen
- Erst Holz-Erde-Lager, danach steinerner Ausbau
- Besonderheit
- Zugleich südlichster Standort am „Nassen Limes" und nördlichstes Kastell des „Vorderen Limes"
Das kannst du hier erleben
Lage und Umgebung
Weite Teile des Geländes wurden nie überbaut, sodass sich der Ort noch als markante Erhebung im Boden abzeichnet. Er liegt nordwestlich der Stelle, an der die Mud in den Main mündet. Das Überschwemmungsgebiet des Mains reicht dicht an die zum Fluss gerichtete Prätorialfront heran; in der Antike bildeten sowohl die Mud als auch der nordöstlich abfließende Springbornbach sumpfige Mündungsbereiche. Aus dem Springbornbach bezogen die Soldaten ihr Wasser. Zum Fluss hin ruht die mittelalterliche Mauer auf den Fundamenten der römischen Umfassung, und der Altstadtweg führt genau dort ins Areal, wo die Porta principalis dextra als Südosttor stand. Durch das Hinterlager, die Retentura, zieht sich bis heute eine Bahntrasse.
Herkunft des Flurnamens
Der Name „In der Altstadt" geht auf die später wüst gewordene mittelalterliche Siedlung „Wallhausen" zurück, die sich auf dem Kastellareal ansiedelte. Ihr Name nahm offenbar noch Bezug auf die Wälle der einstigen römischen Garnison.
Forschungsgeschichte
1827 stieß der Chronist Michael Josef Wirth auf zwei römische Altarfragmente, ohne dass man das Kastell damals kannte; darauf war die Kohorte Cohors Sequanorum et Rauracorum equitata genannt. Als römische Anlage erkannte Philipp Joseph Madler die Stelle und legte seine Ergebnisse 1842 vor; bei seinen Grabungen in den 1830er Jahren kamen weitere Inschriften zutage. Die Altarfragmente wie auch diese Inschriften sind verloren. Der Eisenbahnbau zerschnitt 1875 einen Teil der Anlage und traf 1878 auf das Kastellbad, dessen Funde der Betriebsingenieur Max Scherer barg; er fertigte auch einen Grundrissplan des Bades an. Von 1878 bis 1892 forschte Wilhelm Conrady im Auftrag der Reichs-Limeskommission. Das Kastellinnere blieb lange unerforscht, weil ein Weingarten mit seinen Reben jede Untersuchung verhinderte. Die größeren Grabungen von 1970 bis 1976 unter dem Prähistoriker Bernhard Beckmann finanzierte die Deutsche Forschungsgemeinschaft, unterstützt vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege; später führte auch die Stadt Miltenberg kleinere Grabungen durch, und von 1988 bis 1990 arbeitete Ludwig Wamser im Altstadtkastell.
Baugeschichte
Mit der Verschiebung der Grenze auf den „Vorderen Limes" unter Kaiser Antoninus Pius entstand die Anlage, archäologisch auf etwa 159/160 n. Chr. datiert. Der zugleich vollzogene Garnisonswechsel in die neuen Kastelle betraf alle Militärstandorte am Neckar-Odenwald-Limes und war eine organisatorische Leistung. Fast gleichzeitig errichtete man das rund 2300 Meter südöstlich liegende Kastell Miltenberg-Ost; die Anlage zweier Kastelle am selben Mainufer unterstreicht die strategische Bedeutung dieses Grenzabschnitts. Von hier führte die Militär- und Handelsstraße aus dem Maintal Richtung Rhein und Neckar, und für Warentransport und Baumaterial wurde vermutlich am nahen Main eine Schiffsanlegestelle errichtet. Als bislang einziger archäologischer Terminus post quem gelten Sigillaten aus Rheinzabern, deren Produktion um 130–140 n. Chr. begann.
Vom Holzlager zum Steinkastell
Zunächst entstand ein Lager in Holz-Erde-Bauweise. Rund einen Meter hinter der späteren Steinmauer legten die Ausgräber einen etwa zwei Meter breiten, kastenförmig knapp einen Meter tief eingetieften Fundamentgraben frei. An seinen Längsrändern lagen in regelmäßigen Abständen von 3,20 Metern größere Pfostengruben, dazwischen kleine Gräben mit einst dicht gesetzten aufrechten Hölzern – zusammen eine mit Erde gefüllte Holzkastenbauweise, vermutlich beidseitig von einem geböschten Rasensodenwall gestützt. Das frühe Lager besaß eine breite Berme mit wohl nur einem Spitzgraben. Aus der untersten Schicht der Gründungsphase stammt eine emailverzierte Plattenfibel mit Backenscharnier, die Beckmann vorsichtig um die Mitte der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts einordnete. Der spätere Ausbau in Stein lässt sich mangels Inschriften nur über eine teilweise erhaltene Bauinschrift aus dem Kastell Miltenberg-Ost datieren, die in die Regierungszeit des Septimius Severus (193–211) weist und dessen Sohn Caracalla nennt.
Erhaltung und Heute
Die Fundamente liegen vielerorts unter landwirtschaftlich genutzten Flächen und sind nur im Bereich der Praetentura, des Vorderlagers, modern gestört; alle übrigen Veränderungen stammen aus der mittelalterlichen Überbauung. Informationstafeln markieren die Porta principalis sinistra, den Platz der Porta principalis dextra sowie den Ort des Bades. Das Militärbad wenige Meter südöstlich hat sich im Boden bewahrt. Ein zugehöriger Vicus ist belegt, an der Oberfläche jedoch nicht erkennbar.
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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-07-13
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