Burg Wachtendonk
Ruine einer Niederungsburg an der Niers – im 16. und 17. Jahrhundert der militärisch wichtigste Ort im Geldrischen Oberquartier.
Am linken Ufer der Niers, in einem kleinen Waldstück am südlichen Rand der niederrheinischen Gemeinde Wachtendonk, haben sich die Reste einer Niederungsburg erhalten. Ihre Geschichte ist eng mit der Festung Wachtendonk verbunden, die an der Ostgrenze des Herzogtums Geldern lange umkämpft war.
Auf einen Blick
- Art
- Ruine einer Niederungsburg
- Lage
- linkes Niersufer, Waldstück am südlichen Ortsrand von Wachtendonk
- Frühe Belege
- geborgene Hölzer auf 1252 und 1257 datiert – Hinweis, dass Siedlung und Burg älter sind als die Ersterwähnung 1326
- Bedeutung
- im 16. und 17. Jahrhundert wichtigster militärischer Ort im Geldrischen Oberquartier
- Besonderheit
- lag im 14. Jahrhundert an einem wichtigen Niersübergang
- Zugang
- frei zugänglich
Ursprung und Name
Seit dem 9. Jahrhundert trug die Umgebung den Namen Geisseren und unterstand Kurköln. Auf einer Erhebung namens Donk in den sumpfigen Niersniederungen ließen die Vögte des Kölner Erzbischofs eine erste Befestigung errichten, die Vogtendonk hieß. Daraus formte sich der Name Wachtendonk, der auf die Siedlung und später auf die Burgbesitzer überging. Ein Arnold von Wachtendonk wird 1196 erstmals genannt; ein festes Haus mit Mühle und befestigter Siedlung erscheint 1326 in den Quellen. Schon im 14. Jahrhundert lag die Burg an einem wichtigen Übergang über die Niers.
Zwischen Geldern, Köln und Kleve
Wachtendonk war ein geldrisches Lehen, das kurkölnische Gebiet begann auf der gegenüberliegenden Niersseite. Durch geschicktes Taktieren wahrten die Herren von Wachtendonk lange ihre Eigenständigkeit: Arnold IV. bestätigte 1390 den Lehensstatus gegenüber Geldern, erklärte aber im selben Jahr seine Burg zum Offenhaus des Kölner Erzbischofs Friedrich III. von Saarwerden, sofern dieser sie nicht gegen Geldern einsetze. Herzog Rainald IV. von Geldern nahm die Burg 1407 gewaltsam ein und machte sie zu einem Amt; erster geldrischer Amtmann wurde Goswin Spede von Langenfeld. Johanna, die Erbtochter Arnolds IV., heiratete Wilhelm von Jülich, den unehelichen Sohn Rainalds IV., der die Burg als Hochzeitsgeschenk erhielt. 1434 verkauften Wilhelm und seine Frau Burg, Stadt und Land an Herzog Arnold von Egmond. Kurz darauf nahmen bergische und kölnische Truppen die Burg ein; da Wilhelm noch nicht ausgezogen war, kamen ihm zahlreiche wertvolle Gegenstände abhanden. 1440 verpfändete Geldern die Anlage an Kleve, 1473 fiel sie endgültig dorthin.
Belagerungen und Wiederaufbau
Ein Verzeichnis von 1463 nennt viele Räume, darunter Kapelle, Saal, Küche, Weinkeller und Brauhaus. Gegen 1470 war die Burg stark verfallen; für die Ausbesserung wurden 100.000 Ziegelsteine benötigt. 1503 nahm Otto Schenk von Nideggen die Stadt Wachtendonk ein; die Burg fiel erst 1504 nach einer Belagerung von September 1503 bis Ostern 1504 an ihn, für Karl von Geldern. Ein Feuer richtete dabei schwere Schäden an. Bei der Wiederherstellung entstanden ein mächtiger Rundturm und ein Ostflügel. Ein Vertrag von 1517 sicherte Otto das Amt zu, solange der Herzog die für den Wiederaufbau aufgewandten 17.000 rheinischen Gulden nicht zurückgezahlt hatte.
Achtzigjähriger Krieg
Nachdem Geldern 1538 mit dem Herzogtum Kleve vereint und 1543 im Vertrag von Venlo an Burgund abgetreten worden war, verkaufte Kaiser Karl V. als Herzog von Geldern 1547 Stadt, Burg und Herrlichkeit an Godart von Bocholtz, der die Verteidigungswerke an moderne Feuerwaffen anpasste. Dennoch war die Burg 1572 kurzzeitig von Truppen Wilhelms von Oranien besetzt und ab 1578 für längere Zeit von den niederländischen Generalstaaten. 1588 belagerten spanische Truppen unter Peter Ernst I. von Mansfeld die Anlage drei Monate lang, beschossen sie und nahmen sie ein; anschließend wurde Arnold Huyn von Amstenrade zum Gouverneur von Burg und Stadt ernannt. Eine Darstellung aus jenem Jahr zeigt die Burg als drei Gebäudegruppen auf einer Insel in der Niers. Bei einer Eroberung 1603 wurde sie vermutlich so schwer beschädigt, dass ein Wiederaufbau unterblieb.
Heute
Ausgrabungen der 1960er Jahre legten die Fundamente frei und mauerten sie teilweise wieder auf. Die Ruine steht jederzeit frei offen.
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