Jonakirche Wachtendonk
Evangelisches Gemeindezentrum an der Berliner Straße, 1986 eingeweiht und benannt – das jüngste Kapitel einer jahrhundertelangen protestantischen Diasporageschichte am Niederrhein.
seit 1986
Die Jonakirche ist das evangelische Gemeindezentrum von Wachtendonk. Sie liegt an der Berliner Straße in einem Neubaugebiet und gehört zur Evangelischen Kirchengemeinde Straelen-Wachtendonk.
Auf einen Blick
- Art
- Evangelisches Gemeindezentrum mit Pfarrhaus, im Neubaugebiet an der Berliner Straße
- Einweihung
- 16. Februar 1986
- Namensgebung
- Festakt am 13. Juli 1986 – zugleich mit den Namen der beiden anderen Kirchen der Gemeinde (Dietrich-Bonhoeffer-Kirche und Johanneskirche)
- Gemeinde
- Teil der Kirchengemeinde Straelen-Wachtendonk, geleitet von einem gemeinsamen Presbyterium aus allen drei Gemeindeteilen
- Vorgängerbau
- Bartningsche Notkirche an der Nette (um 1950/52 errichtet, 1986 abgebaut)
- Eigene Pfarrstelle
- seit 1991 zweite Pfarrstelle für Wachtendonk
- Zum Namen Jona
- mehrere Bezüge in der Ausstattung, darunter eine Orgel, ein Labyrinth und eine Darstellung „Jona und der Wal“
Altersvergleich
Alter im Vergleich mit anderen Orten in Wachtendonk.
Protestanten in der Diaspora
Die evangelische Präsenz in Wachtendonk reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück, blieb aber lange ein Randphänomen. Während des Achtzigjährigen Krieges meldete der Prädikant Engelbert Faber im Oktober 1578 dem Grafen von Nassau, dass Geldern und Wachtendonk das reformierte Bekenntnis angenommen hätten; mit der Truppe des Gerrit de Jonge kam der aus Leiden stammende Prädikant Peter Hackius in den Ort. 1582 wurde der reformierte Glaube zum allein zugelassenen erklärt, und 1583 zerstörte man Altäre und Bilder der katholischen Kirche sowie die Nikolauskapelle an der Schlot. Aus dieser Zeit stammen Bibel-Inschriften, die 1874 bei einer Renovierung der Pfarrkirche unter der Tünche zum Vorschein kamen. Das reformierte Zwischenspiel währte jedoch nur von 1578 bis 1588: Nach der Rückeroberung durch die Spanier wurden in rund 120 Jahren spanischer Herrschaft keine Protestanten mehr geduldet.
Erst 1845, bei der Gründung der Nachbargemeinde Niederdorf, ist wieder von Evangelischen in Wachtendonk die Rede – darunter ein Friedensrichter und der Arzt Dr. Frankenberg, die für den Gottesdienst weite Wege nach Niederdorf auf sich nahmen. 1878 hatte das fast rein katholische Wachtendonk sogar einen evangelischen Bürgermeister (Pabst), was möglich war, weil Bürgermeister damals von der Regierung in Düsseldorf ernannt und nicht gewählt wurden. Wie viele Protestanten tatsächlich im Ort lebten, blieb lange unklar; katholische Landwirte wollten oft nicht, dass die Nachbarschaft von der evangelischen Konfession ihrer Knechte und Mägde erfuhr. Ein 1934 von Pfarrer Quaas eingerichteter Gottesdienst in einem Raum des Rathauses wurde mangels Besuchern nach etwa einem Jahr wieder eingestellt.
Notkirche an der Nette
Nach 1945 änderte sich die Lage grundlegend: Viele Flüchtlinge und Vertriebene kamen nach Wachtendonk, die meisten von ihnen evangelisch. Ab dem 20. Oktober 1946 fanden – mit Unterstützung der katholischen Gemeinde – Gottesdienste zunächst im katholischen Jugendheim und später im größten Klassenraum der katholischen Schule statt, sonntäglich besucht von 120 bis 150 Menschen. Das reichte auf Dauer nicht. Pastor Schauss und das Presbyterium suchten ein Baugrundstück, was durch die ablehnende Haltung eines Teils der katholischen Bevölkerung erschwert wurde. Im August 1950 kostete das Grundstück 4.500 DM, wobei die Gemeinde selbst 1.000 DM aufbrachte und weitere Gemeinden aushalfen; der Verkäufer bestand auf Barzahlung. Von Anfang an war dabei nicht von einer „Kirche“, sondern von einem „Gemeindezentrum“ mit mehreren Räumen für die Gruppenarbeit die Rede.
Um 1950/52 entstand nahe der Nette eine „Bartningsche Notkirche“ – ein standardisierter Holzbau nach Entwürfen des Architekten Otto Bartning, der solche Bauten als „echte Kirchen der geistigen und materiellen Not“ bezeichnete. Für kleine, finanzschwache Diasporagemeinden hatte er eine verkleinerte Fassung, die „Diasporakapelle“, entwickelt; die Fertigung organisierte das Evangelische Hilfswerk, mitfinanziert von ausländischen Kirchen. Solche Kapellen boten bei voller Nutzung Platz für weniger als 200 Personen. Die Altarnische ließ sich verschließen, sodass der Kirchenraum zum Gemeindesaal wurde; hinzu kamen ein abgetrennter Raum für die Jugend- und Gemeindearbeit und eine kleine Notwohnung für die Katechetin. Deutschlandweit wurden 48 dieser Diasporakapellen aufgestellt, in der Nachbarschaft unter anderem in Kevelaer und Vorst. Nach 34 Jahren wurde die Wachtendonker Notkirche 1986 abgebaut und an die katholische St.-Bonifatius-Gemeinde in Hagen-Haspe abgegeben, wo sie heute als „Lioba-Kapelle“ dient.
Neubau und Namensgebung
Mit dem Bau der Autobahn A40 Richtung Venlo Mitte der 1970er Jahre zeichnete sich ein Bevölkerungswachstum ab, das auch den evangelischen Anteil betraf. Im Wachtendonker Neubaugebiet entstand daraufhin das heutige Gemeindezentrum samt Pfarrhaus, das am 16. Februar 1986 eingeweiht wurde. Ihren Namen erhielt die Kirche erst wenige Monate später: Beim Festakt am 13. Juli 1986 bekamen alle drei Kirchen der Gemeinde Straelen-Wachtendonk ihre Namen – die Jonakirche in Wachtendonk sowie die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche und die Johanneskirche.
Bis 1991 betreute eine gemeinsame Pfarrstelle die drei Gemeindeteile Straelen, Niederdorf und Wachtendonk, ab 1982 unterstützt durch einen Prädikanten. 1991 erhielt Wachtendonk eine eigene zweite Pfarrstelle. Geleitet wird das Gemeindeleben seit dem Neubeginn nach 1945 von einem gemeinsamen Presbyterium mit Mitgliedern aus allen drei Teilen der Gemeinde. Auf den Namen Jona verweisen mehrere Ausstattungsstücke, darunter eine Orgel, ein Labyrinth und eine Darstellung von Jona und dem Wal.
Karte
Blaue Punkte: andere Orte in der Nähe – zum Stöbern antippen.
Adresse
Berliner Str. 12
47669 Wachtendonk
Öffnungszeiten
Mo: 08:00–17:00
Di: 08:00–17:00
Mi: 08:00–17:00
Do: 08:00–17:00
Fr: 08:00–12:30
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- Offizielle Website
- Offizielle Website (abgerufen 2026-07-04)
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