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Erdwerk Ohrenbacher Schanze

Rechteckige Wallanlage auf dem Geißberg, deren Ursprung — römerzeitlich oder frühmittelalterlich — bis heute ungeklärt ist; Grabungen ergaben römische Keramik.

Die Ohrenbacher Schanze, auch Römerschanze, Heunenschüssel oder Vielbrunner Schanze genannt, ist ein Erdwerk auf dem Höhenrücken des Geißbergs über dem Ohrenbachtal. Ob die Wallanlage römerzeitlich oder frühmittelalterlich ist, gilt bis heute als ungeklärt.

Auf einen Blick

Art
Erdschanze (Wallanlage), römerzeitlich oder frühmittelalterlich
Lage
Höhenrücken des Geißbergs über dem Ohrenbachtal, zwischen Vielbrunn (Bremhof, Hessen) und der Gemarkung Rüdenau (Miltenberg, Bayern)
Grundriss
rechteckig mit abgerundeten Ecken
Maße
heute rund 88,6 × 76,5 m (Graben zu Graben) bzw. 77,3 × 66 m (Wall zu Wall)
Zugang
nach innen gezogenes Zangentor von etwa 3,50 m Breite an der Ostseite
Funde
römische Keramik des 2. Jahrhunderts
Schutz
Bodendenkmal, Nummer D-6-6220-0003

Lage und Umgebung

Die Schanze liegt nahe einem vorgeschichtlichen Höhenweg, der von Bremhof über Mainbullau nach Miltenberg entlang des Höhenrückens verläuft. Wenige Meter westlich, am Sattel des Geißberges beim Naturdenkmal Lauseiche, kreuzen mehrere Altwege in Nord-Süd-Richtung zwischen Laudenbach (Mainlimes) und dem Ohrenbachtal. Die Hochfläche zwischen Ohrenbach und Main ist bis heute wenig besiedelt und waldreich.

© Bayerische Vermessungsverwaltung - www.geodaten.bayern.de · CC BY 4.0

Aufbau und Abmessungen

Drei etwa drei Meter hohe Erdwälle — zwei äußere und ein innerer — sind von einem rund 1,5 Meter tiefen Graben umgeben. In der Mitte der östlichen Schmalseite liegt das nach innen gezogene Zangentor, das in Richtung der Prätorialfront weist und viele Sandsteinstücke enthält; am Osttor ist der Graben unterbrochen. Der durch einen Abschnittsgraben geteilte Innenraum birgt Reste eines Brunnens, den eine umlaufende Wall-Graben-Anlage zusätzlich sicherte. Bereits 1813 gab Johann Friedrich Knapp die Seitenlängen mit 90 Schritt (knapp 66 m) und 80 Schritt (etwa 58,5 m) an; heutige Vermessungen des Geländereliefs ergeben die etwas größeren, in der Box genannten Werte. Damit wäre die Anlage mit den Kastellen des Odenwaldlimes vergleichbar und in ihren Abmessungen sogar geringfügig größer als etwa das Kastell Eulbach. Limesgleiche Befestigungen, die schon Knapp nicht mehr fand und daher ablehnte, sind auf dem Hochplateau nicht nachweisbar.

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Erforschung und Deutung

Knapp beschrieb die Anlage spätestens 1813, 1900 erschien sie im Limeswerk. Bei Sondierungen 1912/1913 durch Georg Hocks kam ausschließlich römische Keramik des 2. Jahrhunderts zutage; zwei seiner Suchschnitte am Abschnittsgraben sind im Gelände noch sichtbar. Wegen der untypischen Lage zwischen beiden Limeslinien gilt ein römischer Ursprung als nicht gesichert. Dietwulf Baatz schloss 1984 einen römischen Ursprung nicht aus, forderte aber weitere Untersuchungen: Größe, abgerundete Ecken und Zangentor ähneln den Limeskastellen, allein der innere Graben bleibt untypisch.

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Holz für Mogontiacum

Diskutiert wird, ob die Schanze als Vorposten des Odenwaldlimes den Höhenweg überwachte oder als Arbeitslager und Sägeplatz diente. Angenommen wird, dass Holzfällerkommandos des römischen Heeres im Odenwald Holz für Orte wie Mogontiacum (das heutige Mainz) schlugen und es über den Main zum Rhein flößten. Theodor K. Kissel bezeichnete die Anlage 1995 in seiner Dissertation — auf Bingemer gestützt — als Holzverarbeitungsbetrieb. Angeführt werden vier Inschriftensteine aus den Kastellen Trennfurt, Obernburg und Stockstadt, die Vexillationen der in Mogontiacum stationierten Legion XXII (Antoniniana) Primigenia Pia Fidelis zugeschrieben und auf 206–214 n. Chr. datiert werden. Das Kastell Trennfurt gilt wegen seiner stark rechteckigen Form auch als Stapel- und Verladeplatz am Main; Wilhelm Conrady vermutete 1900 einen Verbindungsweg von dort zum Kastell Hainhaus.

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Denkmalschutz

In der Bayerischen Denkmalliste ist das Objekt als nachqualifiziertes Bodendenkmal geführt, dort mit der Einordnung als Erdwerk „Ohrenbacher Schanze“ spätkaiserzeitlicher oder frühmittelalterlicher Zeitstellung. Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden sind genehmigungspflichtig; Zufallsfunde sind den Denkmalbehörden zu melden.

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Galerie

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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-07-13

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