Römerschanze
Die Römerschanze – amtlich als Erdwerk „Ohrenbacher Schanze“, örtlich auch Heunenschüssel oder Vielbrunner Schanze bekannt – ist eine vor- oder frühgeschichtliche Wallanlage auf dem Höhenrücken des Geißbergs über dem Ohrenbachtal. Ob das rechteckige Erdwerk römischen oder frühmittelalterlichen Ursprungs ist, gilt bis heute als nicht abschließend geklärt.
Die Römerschanze ist eine rechteckige Erdschanze mit umlaufenden Wällen und Graben, die versteckt im Wald auf dem Geißberg liegt. Sie trägt gleich mehrere Namen – neben der volkstümlichen „Römerschanze“ firmiert sie amtlich als Erdwerk „Ohrenbacher Schanze“ und heißt vor Ort außerdem Heunenschüssel oder Vielbrunner Schanze.
Auf einen Blick
- Art
- Rechteckige Wallanlage (Erdschanze) mit abgerundeten Ecken
- Lage
- Höhenrücken des Geißbergs über dem Ohrenbachtal, an der Grenze zwischen Hessen (Vielbrunn/Bremhof) und dem Stadtgebiet Miltenberg (Gemarkung Rüdenau)
- Ausdehnung
- rund 88,6 × 76,5 m (von Graben zu Graben) bzw. 77,3 × 66 m (von Wall zu Wall)
- Zeitstellung
- römerzeitlich oder frühmittelalterlich – nicht gesichert
- Denkmalschutz
- Bodendenkmal D-6-6220-0003 (Bayerische Denkmalliste)
- Ausgrabungen
- Sondierungen 1912/1913 durch Georg Hocks
- Funde
- ausschließlich römische Keramik des 2. Jahrhunderts
Lage im Gelände
Die Schanze liegt an einem alten, das Maintal begleitenden Höhenweg, der über den Bergrücken von Bremhof über Mainbullau nach Miltenberg zieht – in Nordwest-Südost-Richtung. Nur wenige Meter westlich, am Sattel des Geißbergs mit dem Naturdenkmal Lauseiche, kreuzen mehrere Altwege in Nord-Süd-Richtung. Diese verbanden Laudenbach am Mainlimes mit dem Ohrenbachtal und durchziehen die bis heute waldreiche und dünn besiedelte Hochfläche zwischen Ohrenbach (mundartlich Ohrnbach) und Main.
Aufbau der Anlage
Die Wehranlage ist rechteckig angelegt und an den Ecken deutlich abgerundet. Bereits 1813 vermaß Johann Friedrich Knapp die Seitenlängen mit rund 66 Metern in West-Ost- und etwa 58,5 Metern in Nord-Süd-Richtung. Ein rund 1,5 Meter tiefer Graben umschließt drei etwa drei Meter hohe Erdwälle: zwei äußere und einen inneren. In der Mitte der östlichen Schmalseite öffnet sich ein nach innen gezogenes Zangentor von etwa 3,50 Metern Breite; an diesem Osttor ist der Graben unterbrochen. Im Innenraum, den ein kleiner Abschnittsgraben teilt, sind noch die Reste eines Brunnens erhalten, der durch eine eigene, komplett umlaufende Wall-Graben-Anlage zusätzlich gesichert war. Moderne Vermessungen des Geländereliefs im Bayernviewer ergeben etwas größere Maße als Knapp und stellen die Anlage in ihren Abmessungen den Kastellen des Odenwaldlimes an die Seite – sie fällt sogar geringfügig größer aus als etwa das Kastell Eulbach.
Geschichte & Ausgrabungen
Spätestens 1813 beschrieb Johann Friedrich Knapp die Schanze und machte sie urkundlich bekannt; 1900 fand sie Eingang ins Limeswerk. In den Jahren 1912/1913 untersuchte Georg Hocks das Erdwerk mit Sondierungen und Suchschnitten. Dabei kam ausschließlich römische Keramik des 2. Jahrhunderts zutage. Zwei seiner Suchschnitte am Abschnittsgraben zeichnen sich noch heute im Georelief ab.
Deutung & Funktion
Die für eine römische Befestigung untypische Lage zwischen den beiden Limeslinien lässt einen römischen Ursprung nicht als gesichert erscheinen. Dietwulf Baatz schloss 1984 einen römischen Ursprung zwar nicht aus, forderte aber weitere Untersuchungen. Größe, abgerundete Ecken und Zangentor erinnern durchaus an die Limeskastelle – nur der innere Graben ist untypisch. In jüngerer Zeit wird wieder verstärkt diskutiert, ob die Schanze als Vorposten des Odenwaldlimes den Höhenweg überwachte oder als Arbeitslager und Sägeplatz diente. Denkbar ist, dass römische Holzfällerkommandos im Odenwald Bauholz für größere Orte wie Mogontiacum (das heutige Mainz) schlugen, weil dort in der Umgebung nicht mehr genug Material zur Verfügung stand; über den Main ließ sich das Holz bequem zum Rhein flößen. Theodor K. Kissel bezeichnete die Schanze in seiner Dissertation 1995 sogar als Holzverarbeitungsbetrieb. Angeführt werden dafür vier Inschriftensteine aus den Kastellen Trennfurt, Obernburg und Stockstadt, die auf Vexillationen der in Mogontiacum stationierten Legion XXII Primigenia zurückgehen sollen und auf die Jahre 206 bis 214 n. Chr. datiert werden. Das auffallend rechteckige Kastell Trennfurt gilt dabei als möglicher Stapel- und Verladeplatz am Main.
Denkmalschutz
In der Bayerischen Denkmalliste des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege ist das Objekt unter der Nummer D-6-6220-0003 als nachqualifiziertes Bodendenkmal geführt – als Erdwerk „Ohrenbacher Schanze“ spätkaiserzeitlicher oder frühmittelalterlicher Zeitstellung. Gezielte Nachforschungen und das Sammeln von Funden sind genehmigungspflichtig, Zufallsfunde müssen den Denkmalbehörden gemeldet werden.
Karte
Blaue Punkte: andere Orte in der Nähe – zum Stöbern antippen.
Das könnte dich auch interessieren – themenverwandt oder in der Nähe
Kommentare
- Lade Kommentare…
Quellen & Links
- openstreetmap.org (abgerufen 2026-07-13)
- Wikipedia (abgerufen 2026-07-21)
Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-07-21
Wie diese Seite entsteht
Diese Seite stützt sich auf offene Quellen — Wikipedia, Wikidata, offizielle Webseiten und offene Daten der Stadt. Jede Angabe wird gegen die hier verlinkten Quellen geprüft, und die Seiten werden regelmäßig aktualisiert.
Trotzdem einen Fehler entdeckt? Sag uns unten Bescheid — wir lesen jede Einsendung.





