Wallhausen (bei Miltenberg)
Mittelalterliche Stadtwüstung am Main, die im Wettstreit mit dem nahen Miltenberg unterging und heute nur noch als Grundmauern eines Kirchturms sichtbar ist.
Nur wenige Kilometer von Miltenberg entfernt lag im Mittelalter die Stadt Wallhausen (auch Waleshusen) – eine Stadtgründung, die scheiterte und heute als Wüstung im Boden verschwunden ist. Errichtet auf den Mauern eines römischen Kastells, wurde sie 1237 teilweise zerstört und in den folgenden Jahrzehnten aufgegeben.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art des Ortes
- Mittelalterliche Stadtwüstung (aufgegebene Siedlung)
- Lage
- Am Main zwischen Miltenberg und Kleinheubach, an der Mündung der Mud
- Vorgeschichte
- Erbaut auf dem römischen Kastell Miltenberg-Altstadt
- Stadtrang
- 1229 als „civitas", 1231 als „oppidum" urkundlich genannt
- Zerstört
- 1237 im Zuge der sogenannten Lorscher Fehde
- Besonderheit
- Beispiel einer missglückten mittelalterlichen Stadtgründung
- Heutiger Zustand
- Nur die Grundmauern des Kirchturms sind erhalten
Lage und Bedeutung
Der Platz war verkehrsgeografisch günstig gelegen: Hier mündet die Mud in den Main, und im Mittelalter kreuzten sich an dieser Stelle wichtige Wege – die Straße zwischen Nürnberg und Frankfurt sowie die Verbindung der Stauferpfalzen Wimpfen und Gelnhausen. Schon die Römer hatten den Standort zum Schutz des Nassen Limes mit einem Kastell befestigt.
Im Hochmittelalter trafen in der Umgebung mehrere Herrschaftsgebiete aufeinander: Wallhausen und Kleinheubach gehörten den Pfalzgrafen bei Rhein, Bürgstadt und Miltenberg dem Erzstift Kurmainz, Freudenberg dem Hochstift Würzburg, während in Klingenberg und Prozelten Vertraute des staufischen Königshauses wirkten.
Geschichte
Bereits im 6. bis 7. Jahrhundert legten die Franken auf den Ruinen des römischen Kastells einen kleinen befestigten Stützpunkt an, nachweisbar als Kleinfestung mit Torturm in der Ostecke des alten Lagers. Im 9. Jahrhundert wurde diese Anlage durch einen neuen Wehrbau in der Nordecke ersetzt; im Bereich der einstigen römischen Principia lag vermutlich ein Königshof.
Vom 10. bis 11. Jahrhundert entwickelte sich der Ort zu einem Umschlagplatz für Handelsgüter, vor allem für Sandsteinsäulen und -sarkophage. Es entstanden eine Turmburg – wohl Sitz der Ministerialenfamilie „de Walehusen" – und außerhalb des Kastells eine unbefestigte Siedlung mit eigener Kirche, die auf dem antiken römischen Badegebäude stand.
Anfang des 13. Jahrhunderts ließ Pfalzgraf Ludwig der Kelheimer auf den Grundmauern des Kastells eine Stadtmauer errichten und baute Wallhausen zur Stadt aus. Die antiken Tore wurden vermauert und zwei neue Tore mit Torhaus angelegt. Archäologisch belegt sind an die Stadtmauer gelehnte Häuser, das Haus eines Kaufmanns, Handwerker-Öfen, ein Brunnen und ein festes Haus. Im Zentrum stand eine 26,1 Meter lange Kirche mit umgebendem Friedhof, deren Ursprünge wohl bis ins frühe Mittelalter zurückreichen.
Niedergang
Das Ende Wallhausens war von der Rivalität mit dem fast gleichzeitig entstehenden Miltenberg geprägt. Um 1200 ließen die Mainzer Erzbischöfe die Mildenburg mit der 1237 erstmals erwähnten Stadt Miltenberg errichten, um ihr Herrschaftsgebiet gegenüber dem pfalzgräflichen Wallhausen zu sichern. Es folgte ein jahrzehntelanges Ringen: 1229 verpfändeten Pfalzgraf Ludwig I. und sein Sohn Otto II. Wallhausen an den Mainzer Erzbischof Siegfried II. von Eppstein, 1231 musste der Pfalzgraf es zurückerstatten.
1237/38 brach zwischen Otto II. und dem Erzbischof von Mainz ein hartnäckiger Streit um das Kloster Lorsch, Wallhausen und Bensheim aus – die sogenannte Lorscher Fehde. Dabei wurde Wallhausen 1237 teilweise zerstört. Im Vergleich von 1247 erhielt Otto II. als Schadensersatz die Vogtei über das Kloster Lorsch und das Dorf Seckenheim; Wallhausen fiel endgültig an Mainz und wurde wirtschaftlich von Miltenberg ausgetrocknet. Der Wettstreit der beiden benachbarten Stadtgründungen endete mit dem Sieg des rund zwei Kilometer entfernten kurmainzischen Miltenberg. Auch Kleinheubach profitierte vom Niedergang: Die Pfarrrechte Wallhausens gingen auf die dortige Kirche über.
Heute
Unter kurmainzischer Herrschaft blieb der Platz noch locker besiedelt. 1363 wurde ein vom Grafen von Rieneck errichtetes Kirchlein St. Walpurg erwähnt, das zur Pfarrei Kleinheubach gehörte und 1770 auf Abbruch verkauft wurde. Heute liegt das Gebiet der einstigen Siedlung zwischen Miltenberg und Kleinheubach, teils überbaut durch ein landwirtschaftliches Anwesen und eine Bahnlinie. In einer Wiese stehen noch die Grundmauern des Kirchturms. Tafeln erläutern die Geschichte des antiken Kastells – nicht jedoch die der mittelalterlichen Stadt. Auch die Namen „Altstadtweg" und „Kastell Miltenberg-Altstadt" erinnern daran, dass hier einst eine Stadt stand.
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