Haus Holtheyde
Ehemaliger Herrensitz an der Niers bei Wachtendonk — eine vierflügelige Hofesfeste aus Backstein mit rundem Treppenturm und Zwiebelhaube.
Haus Holtheyde, auch Holtheide geschrieben, ist ein ehemaliger Herrensitz im niederrheinischen Wachtendonk und zählt zu den ältesten Gebäuden der Gemeinde. Die Familie von Bylandt errichtete das Anwesen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- Ehemaliger Herrensitz, unter Denkmalschutz
- Lage
- Rechtes Ufer der Niers, an der Straße Wachtendonk–Straelen
- Erbaut
- Zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts, Familie von Bylandt
- Bauform
- Vierflügelige Hofesfeste aus Backstein
- Umgeben
- Reste eines einst doppelten Grabensystems, teils als Wassergraben erhalten
- Nachbarschaft
- Haus Caen (rund 1 km), Haus Ingenraedt (1,3 km)
Architektur
Die Hofesfeste umschließt mit vier Flügeln einen geschlossenen Hof, in dessen Geviert das Herrenhaus eingebunden ist. Ursprünglich rahmte ein doppeltes Grabensystem das Ensemble; erhalten sind Wassergräben im Norden, Osten und Südwesten. Diamantquader im Fundamentbereich der Flügel deuten darauf, dass Bertram von Bylandt einen Renaissancebau nach dem Vorbild von Schloss Rheydt seines Bruders Otto plante; ob dieser Bau tatsächlich ausgeführt wurde, ist jedoch unklar. Die hofseitigen Maueranker der Wirtschaftsflügel im Norden, Osten und Süden verweisen auf die Jahre 1763, 1778 und 1779; seit einem Umbau 1906 dienen sie ausschließlich als Stallungen.
Herrenhaus und Torturm
Dem Wohnen war der Westflügel vorbehalten: Dort lagen das Pächterhaus und in der Südwestecke das Herrenhaus, die ältesten Bauteile. Das herrschaftliche Wohnhaus ist mit einem Grundriss von 11 × 8,3 Metern (lichte Maße 10,2 × 7,2 Meter) eher klein. Ein an der Hofseite vorgelagerter runder Treppenturm von 2,1 Metern Durchmesser, der wohl aus dem letzten Viertel des 16. Jahrhunderts stammt, erschließt die beiden Geschosse; seine 1986 erneuerte, schiefergedeckte Zwiebelhaube überragt die übrigen Dächer. Der geschweifte Stufengiebel der Südseite trägt zwei Taubenschläge sowie an der Spitze eine vorgeblendete Fiale mit einer schmiedeeisernen Wetterfahne mit dem Wappen der Familie von Loë; sie ersetzt eine ältere Fahne mit der Jahreszahl 1759. In der Mitte der Ostseite führt ein Torturm des 18. Jahrhunderts mit Segmentbogendurchgang und steinerner Brücke in den Innenhof; sieben Taubenlöcher zeugen von seiner früheren Nutzung als Taubenschlag.
Kapelle und Ölmühle
Für das Jahr 1771 ist eine Kapelle belegt, die sich in einem Anbau an der Ostseite des Herrenhauses befand. Ihr um 1700 gemaltes Altarbild mit einer Kreuzigungsdarstellung befindet sich seit 1965 im Niederrheinischen Museum Kevelaer. Zum Anwesen gehörte zudem eine um die Mitte des 18. Jahrhunderts an der Steenbeek errichtete Ölmühle. Sie war bis etwa 1910 in Betrieb und ist heute eine Ruine; auch der zugehörige Mühlenteich ist ausgetrocknet.
Umgebung
Westlich des Hauses blieben nach der Begradigung der Niers einzelne Altarmschlingen erhalten, die heute als Fischteiche dienen. Im Süden erstreckte sich ein geometrisch angelegter Barockgarten nach französischem Vorbild; von ihm zeugen noch eine vierteilige Eibenlaube und drei verwachsene Linden von etwa 200 Jahren mit Stammumfängen zwischen 3,5 und 5,2 Metern. Laube und Baumgruppe stehen als Naturdenkmal unter Schutz.
Geschichte
Bertram von Bylandt erwarb den Sitz am 5. Oktober 1562; nachdem ein Feuer sein Haus Pellandt zerstört hatte, zog er nach Holtheyde und ließ es zum Herrensitz ausbauen. Der Überlieferung nach sollen die Steine für den Umbau von Haus Pellandt stammen. Über mehrere Erbfolgen gelangte das Anwesen an die Familien de Cabanes und von Varo. 1876 kam es zusammen mit Haus Caen an Rudolf Adolph Geyr von Schweppenburg, dem durch seine Heirat bereits Haus Ingenraedt gehörte. 1946 ging der Besitz an die Familie von Loë über. Im Zweiten Weltkrieg diente die Anlage dem Kultur- und Stadthistorischen Museum Duisburg als Außenlager für Sammlungsteile, die im Juli 1946 zurückkehrten.
Nutzung
Wie schon frühere Generationen bewohnten die Eigentümer das Anwesen nicht selbst, sondern ließen es durch Pächter bewirtschaften; seit 1911 führte die Familie Linssen es als landwirtschaftlichen Betrieb. Franz-Joseph von Loë ließ die Anlage restaurieren, um sie zu erhalten; seine Familie ist bis heute Eigentümerin.
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