Zum Inhalt springen
stuff to do in.Kempen
© O.Falkner · CC BY-SA 3.0

Haus Steinfunder

Denkmalgeschützter Adelssitz mit grabenumwehrtem Herrenhaus am Rand der Niersniederung im Kempener Stadtteil Schmalbroich.

Haus Steinfunder ist ein ehemaliger Adelssitz im Kempener Stadtteil Schmalbroich und einer von rund 400 kleineren Herrensitzen und Rittergütern am Niederrhein. Die grabenumwehrte Anlage liegt am östlichen Rand der breiten Niersniederung und steht seit 1983 unter Denkmalschutz.

Auf einen Blick

Ort
Schmalbroich, Stadtteil von Kempen am Niederrhein
Typ
Ehemaliger Adelssitz (Wasserburg) auf grabenumwehrter Insel mit Vorburg
Erste Erwähnung
14. Jahrhundert, als „Gut op den Steinvondern“
Herrenhaus
wahrscheinlich um 1600, Ende 17. Jahrhundert erweitert
Denkmal
seit dem 26. September 1983 in der Liste der Baudenkmäler in Kempen
Zugänglichkeit
Privatbesitz, keine Besichtigung – gute Sicht von der Straße
Name
abgeleitet von einer steinernen Brücke („Fondern“)

Geschichte

Unter dem Namen „Gut op den Steinvondern“ – zuvor „Loefsittart“, rund 100 Morgen Land – wurde das Anwesen um 1360 erstmals fassbar, damals im Besitz von Wilhelm von Hüls. Es lag an der Schlecke, einem Bach, der die Grenze zwischen den kurkölnischen Ämtern Oedt und Kempen markierte. Am 10. Januar 1389 trug Lewe von Hüls sein „huyss genant Funderen“ dem Kölner Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden zu Lehen auf und gewährte ihm das Öffnungsrecht – ob damit dasselbe Haus gemeint ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gehörte der Sitz Theoderich van der Part und Anna van Neerhave. Ihre Enkel Gebhard und Dederich teilten den Besitz; Gebhard verkaufte seinen Anteil 1672 an Christian Hoff, kurkölnischen Kellner und Amtmann von Kempen und Oedt, der zwei Jahre später auch die zweite Hälfte erwarb. 1682 stieg das Anwesen mit Aufnahme in die Adelsmatrikel und dem damit verbundenen Steuerprivileg zum echten Adelssitz auf.

1729 verkaufte Johanna Catharina, Witwe des Schultheißen Johann Bertram Hoff, das Gut an den Neusser Vogt Johann Hermann Josef Sybenius. 1802 ging es an das Ehepaar Johann Joseph Horten und Sybilla Catharina Hüttmann über. In den 1990er Jahren rettete der Düsseldorfer Kunsthändler Karl-Ernst Becker die verfallene Anlage, ließ sie restaurieren und legte südwestlich des Wassergrabens einen kleinen symmetrischen Barockgarten an. Seit 2005 ist Doris Zehr Eigentümerin.

© Käthe und Bernd Limburg, www.limburg-bernd.de · CC BY-SA 3.0 de

Architektur

Die Anlage ist zweiteilig: Das Herrenhaus steht auf einer grabenumwehrten Insel, nordöstlich davon liegt eine jüngere, landwirtschaftlich genutzte Vorburg. Das Herrenhaus selbst besitzt einen winkelförmigen Grundriss aus zwei Bauphasen. Der ältere Nordwestteil ist ein zweigeschossiger Fachwerkbau mit hohem Satteldach und Staffelgiebeln aus Backstein – im Norden liegt das Fachwerk offen, die Südseite wurde im 20. Jahrhundert mit einer Ziegelmauer verkleidet.

Die repräsentative Schaufassade zur Nordost-Seite zeigt werksteingerahmte Kreuzstockfenster mit Entlastungsbögen und profilierte Sandsteinbänder. Drei Kopfskulpturen im Stil der niederrheinischen Renaissance des späten 16. Jahrhunderts – eine davon als Medaillon – schmücken sie; zwei stellen das damalige Besitzerehepaar dar, vergleichbare Medaillons finden sich an Haus Zelem und Schloss Rheydt. Ein in den 1990ern erneuertes Steinrelief trägt das Allianzwappen von Theoderich van der Part und Anna van Neerhave mit der Jahreszahl 1566. Der Haupteingang liegt an dieser Seite; eine hölzerne Brücke führt über den Wassergraben, eine weitere von Südwesten auf die Insel. Die schlichtere Südwest-Giebelseite mit Querstockfenstern zeigt drei gemauerte Aborterker und die Ausfluglöcher eines früheren Taubenschlags.

Südlich schließt eine barocke, quadratische Erweiterung an: zwei Geschosse unter einem mehrfach abgeknickten Pyramidendach mit turmähnlichem Dachreiter. Spätmittelalterliche Stilzitate wie zwei polygonale Eckwarten lassen sie älter wirken, als sie ist – erst die dünneren Mauern verraten die spätere Bauzeit. Datiert ist sie durch die Inschrift „A 1691 J B H“ (Anno 1691, Johann Bertram Hoff) auf einem Eckstein und die rot aufgemalte Jahreszahl 1693 auf einem Dachbalken im Inneren.

© NiederRainer · CC BY-SA 3.0

Wissenswertes

Im Inneren birgt jede Etage einen großen Saal. Im Obergeschoss hingen einst vier Gemälde des 18. Jahrhunderts mit den damals bekannten vier Kontinenten – Afrika, Asien, Amerika und Europa; sie befinden sich heute im Ratssaal von Oedt. Beim Verkauf 1802 entstand eine Karte des „Steinforther Hof“, und die Tranchotkarte desselben Jahres belegt, dass die Vorburg damals noch einen eigenen, längst verschwundenen Wassergraben besaß und südlich des Haupthauses eine zweite, von Gräben umgebene Insel existierte. Heute wird das Herrenhaus bewohnt und die Vorburg landwirtschaftlich genutzt; gelegentlich dient die Anlage als Kulisse für Film- und Fotoaufnahmen.

© Anonymous Unknown author · Public domain

Lage & Zugänglichkeit

Haus Steinfunder befindet sich in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden. Von der Straße aus bietet sich jedoch ein guter Blick auf das grabenumwehrte Herrenhaus und die Vorburg am Rand der Niersniederung.

© Sir Gawain · Public domain

Galerie

© Palickap · CC BY-SA 4.0 · Commons

Karte

Blaue Punkte: andere Orte in der Nähe – zum Stöbern antippen.

Adresse

An Haus Steinfunder
Kempen

Das könnte dich auch interessieren – themenverwandt oder in der Nähe

Haus Baaken

4,5(4)· Google

Denkmalgeschütztes Fachwerkhaus in Tönisberg mit niederländisch-spätbarocker Fassade, das über 250 Jahre als Gasthaus diente.

Haus Erprath (Tönisberg)

4,4(8)· Google

Ehemaliges Rittergut in Tönisberg (Kempen) mit einem Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert, seit 1992 als Baudenkmal eingetragen.

Haus Velde

Ehemaliges Rittergut bei Kempen: Renaissancebau am Rand des Naturschutzgebietes Schlootkuhlen, dessen Innenhof-Wappen die Jahreszahl 1527 trägt.

Kommentare

  • Lade Kommentare…

Quellen & Links

Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-07-08

Wie diese Seite entsteht

Diese Seite stützt sich auf offene Quellen — Wikipedia, Wikidata, offizielle Webseiten und offene Daten der Stadt. Jede Angabe wird gegen die hier verlinkten Quellen geprüft, und die Seiten werden regelmäßig aktualisiert.

Trotzdem einen Fehler entdeckt? Sag uns unten Bescheid — wir lesen jede Einsendung.

Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht?

Hilf mit, die Seite besser zu machen — schlag eine Änderung oder einen neuen Ort vor.