Franziskanerkloster Kempen
Säkularisiertes Franziskanerkloster mit barocker Paterskirche – heute Sitz von Kramer-Museum, Stadtbibliothek und Thomas-Archiv.
Das Franziskanerkloster Kempen ist ein säkularisiertes Kloster am unteren Niederrhein, das von 1624 bis zu seiner Auflösung 1802 bestand. Bekannt ist es für die barocke Paterskirche; in den Klostergebäuden befinden sich heute das städtische Kramer-Museum, die Stadtbibliothek und das Thomas-Archiv.
Auf einen Blick
- Art
- Ehemaliges Kloster des Franziskanerordens der strengen Observanz
- Lage
- Kempen am unteren Niederrhein
- Bestand
- 1624 bis 1802
- Klosterkirche
- Barocke Paterskirche, seit 1804 Rektoratskirche St. Katharina
- Heute
- Kramer-Museum, Stadtbibliothek und Thomas-Archiv
- Schutz
- Bodendenkmal nach dem Denkmalschutzgesetz NRW
Gründung
Brüder aus dem 1488 gegründeten Kloster im westfälischen Dorsten kamen zur Seelsorge an den Niederrhein. Den Anstoß gab 1624 das Vermächtnis des Schlossmachers Nikolaus Halver, der sein Haus in der Peterstraße dem Venloer Franziskanerkloster überließ. Weil den Venloer Brüdern das Gebäude zu klein erschien, lehnten sie das Erbe ab. Daraufhin stellten der bischöfliche Kommissar und Halvers Beichtvater Johann Wilmius sowie Pater Edmundus Sylvius den Kontakt zum Franziskanerkloster Düren her. Der Kölner Erzbischof Ferdinand, der die Gegenreformation stärken wollte, genehmigte am 31. Mai 1624 die Gründung und ernannte Pater Henricus Laurentius zum ersten Superior. Bis zum Bau einer eigenen Kirche diente die Heilig-Geist-Kapelle am Buttermarkt als Gebetsort.
Bauphasen und Finanzierung
Da das Halver-Haus zu klein war, kauften die Observanten 1624 für 700 Taler den geräumigeren Katharinenhof von der Abtei Gladbach. Baumeister Leonard Latom aus St. Thönis begann 1625 mit einem Oratorium, unter Baumeister Jodocus folgten 1627 bis 1630 weitere Konventsgebäude. Getragen wurde der Bau von Spenden und Vermächtnissen; der Linner Pfarrer Friedrich Reinsch gab über 2000 Taler. Zur ersten Klosteranlage gehörten neben Konventsgebäuden und Klosterkirche ein Kreuzgang, eine Sakristei, ein Kapitelsaal und ein Gästehaus. Pläne oder Zeichnungen dieses ersten Klosters sind nicht erhalten; Erkenntnisse zu seinem Aussehen lassen sich nur archäologisch gewinnen. Mitte des 18. Jahrhunderts war die Bausubstanz baufällig. Nach einem Besuch Clemens Augusts I. 1745, der finanzielle Unterstützung zusagte, entstand 1746 bis 1748 ein barocker Neubau unter Hermann Bantes. Verzierte Stuckdecken haben sich teils im Erdgeschoss erhalten und sind in Räumen des Kramer-Museums zu sehen.
Paterskirche
Die Klosterkirche, auch Paterskirche genannt, ist eine einschiffige Hallenkirche mit langgestrecktem Chor und Kreuzgewölben. Die Grundsteinlegung erfolgte am 20. Mai 1630, der Bau zog sich als dritter Bauabschnitt hin. Kriegsbedingte Materialengpässe verzögerten die Arbeiten; am 29. August 1640 weihte Fürstbischof Franz Wilhelm von Wartenberg die Kirche. 1748 wurde sie barock umgestaltet. Zum Inventar gehört der Hochaltar mit einer Marienfigur und einer Skulptur der heiligen Katharina, beide aus der Werkstatt der flämischen Familie Quellinus. 1804 wurde das Gebäude als katholische Rektoratskirche St. Katharina erneut konsekriert.
Nach der Säkularisation
Nach der Auflösung 1802 dienten die Gebäude als Lazarett, später als Schule, Finanzamt und Kreisverwaltung, zeitweise als Gymnasium Thomaeum. Im Thomas-Archiv liegen noch Bände aus der Bibliothek des Jacob Streidthoven. Der 1627 verstorbene Pastor und Hospitalleiter trug maßgeblich zur Finanzierung des ersten Klosterbaus bei, indem er täglich Spenden sammelte und sein gesamtes Privatvermögen stiftete.
Archäologie und Denkmalschutz
Bei der Umgestaltung des Innenhofs wurde 1987 ein gemauerter, tonnengewölbter Raum von 4,5 × 3,0 Metern entdeckt; seine Funktion – Zisterne oder Sickerschacht – bleibt unklar. Er wird in die Zeit des Neubaus 1746/48 datiert. Die Funde befinden sich im Kramer-Museum und im Rheinischen Landesmuseum Bonn. Das Klostergelände ist ein Bodendenkmal; Nachforschungen sind genehmigungspflichtig, Zufallsfunde müssen den Denkmalbehörden gemeldet werden.
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Adresse
Burgstraße 19
47906 Kempen
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Quellen & Links
- Offizielle Website
- Offizielle Website (abgerufen 2026-07-16)
- Wikidata (abgerufen 2026-07-07)
- Wikipedia (abgerufen 2026-07-07, rev 262608056)
Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-07-07
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