Burg Kempen
Neben Zülpich gilt sie als „besterhaltene kurkölnische Burg des 14. Jahrhunderts" – mit viel originaler Bausubstanz.
Die frühere Landesburg der Kölner Erzbischöfe gilt neben der Burg Zülpich als „besterhaltene kurkölnische Burg des 14. Jahrhunderts", weil keine andere Anlage Kurkölns noch so viel originale Bausubstanz aus der Anfangszeit besitzt.
Auf einen Blick
- Art
- Frühere kurkölnische Landesburg
- Lage
- Nordöstlicher Stadtkern von Kempen, Kreis Viersen
- Bauform
- Zweiflügeliger Backsteinbau, fast dreieckiger Grundriss, runde Ecktürme
- Ursprung
- Mittelalterliche Gründung, ursprüngliches Baujahr unbekannt
- Portalturm
- 20 Meter hoch, spitzbogig
- Denkmalschutz
- Seit dem 26. September 1983
- Besichtigung
- Innenräume nach Absprache, Außenanlagen jederzeit zugänglich
Geschichte
Aus einem bereits bestehenden befestigten Hof entwickelte sich mit der Zeit die Burg. Nachdem Kempen infolge der Schlacht von Worringen 1288 als Bollwerk gegen Jülich und Brabant an Bedeutung gewann, verlieh Siegfried von Westerburg dem Ort 1294 Stadtrechte. Als Landesburg erfüllte Kempen dieselben Aufgaben wie die kurkölnischen Anlagen in Linn, Zülpich, Lechenich, Hülchrath, Uda und Zons. 1314 verpfändete Heinrich von Virneburg Stadt und Land Kempen an Dietrich Luf III. von Kleve. Urkundlich fassbar wird die Burg 1347, als Ritter Reinhard von Schönau Burg, Stadt und Land Kempen übertragen bekam; 1364 folgte unter Engelbert III. eine Verpfändung an Adolf III. von der Mark.
Ein hartnäckiger Irrtum
Lange galt 1316 als Baujahr. Dieses seit dem 17. Jahrhundert überlieferte Datum beruhte jedoch auf einer falschen Lesart einer Gedenktafel, die heute im städtischen Kramer-Museum liegt. Tatsächlich verweist ihre Inschrift nicht auf die Gründung, sondern auf eine Erneuerung in den Jahren 1396 bis 1400.
Baumeister Johann Hundt
Ende des 14. Jahrhunderts beauftragte Friedrich von Saarwerden den Küster der Kempener Pfarrkirche und späteren Schultheißen und Kellner Johann Hundt mit Um- und Ausbau nach den Vorbildern in Lechenich und Zülpich. Richard Klapheck vermutet, dass Hundt zuvor schon dort als Baumeister tätig war und daher die Ähnlichkeiten der drei Anlagen rühren. An der Burg war sein Symbol, ein Hund, fünfmal zu sehen.
Nutzung bis 1794
Bis zum Eintreffen der Franzosen 1794 hatte hier der Schultheiß für Stadt und Amt Kempen seinen Wohnsitz, der zugleich als kurfürstlicher Kellner amtierte. Phasenweise tagte in der Burg das hohe Gericht, und in ihren Türmen richtete man Gefängnis und Verlies ein.
Umbauten und Wiederaufbau
Ferdinand von Bayern gestaltete die Anlage im 17. Jahrhundert im Stil der späten Renaissance zu einer Residenz um. Ein Feuer um die Mitte des 19. Jahrhunderts richtete schwere Schäden an. Beim folgenden Wiederaufbau griff man zu historistischen Formen; dadurch verlor der Bau seinen schlossartigen Charakter, weshalb heute erneut von einer Burg die Rede ist.
Architektur
Über einem tonnengewölbten Kellergeschoss erheben sich die beiden zweigeschossigen Flügel, die in einem rechten Winkel zusammentreffen. Das Gebäude umgab früher ein doppelter, wassergefüllter Grabenring mit aufgemauerten Seitenwänden; erhalten ist heute nur noch der südliche Teil des inneren Burggrabens. Eine vierbogige Steinbrücke führt über den heute trockenen Graben zum Portalturm, der aus der Westfassade risalitartig heraustritt; sein früheres Pyramidendach ist heute durch ein Satteldach mit Staffelgiebel ersetzt. An der Hausteinfassung sind noch die Kettenlöcher der einstigen Zugbrücke erkennbar, darüber benennt ein Doppelwappen aus Tuffstein mit Kreuz und Doppeladler – umgeben von gotischem Maßwerk in Vierpassform – Friedrich von Saarwerden als Bauherrn. Der rund 46,5 Meter breite Westflügel bildet den längeren Trakt; in seinem ersten Obergeschoss lag früher eine Kapelle mit schmalem Spitzbogenfenster zum Hof und einer in die Mauer eingelassenen Apsis. Am kürzeren Ostflügel springt mittig ein schlanker, pfeilerartiger Turm vor, der im Dachgeschoss durch Pendentifs in eine achteckige Form übergeht und einst eine Wendeltreppe barg.
Die drei Ecktürme
Die zwischen 22,5 und 28,5 Meter hohen Rundtürme unterscheiden sich in Durchmesser und Mauerstärke. Der Westturm misst 8,5 Meter im Durchmesser und hat im Erdgeschoss eine 2,4 Meter dicke Mauer. Der Südturm ist der dünnste und besaß als einziger Maschikulis, während der Ostturm in seinen beiden Obergeschossen je ein kuppelüberwölbtes Turmzimmer aufweist. Alle Türme tragen ein Kranzgesims mit Spitzbögen und bergen enge, steile Wendeltreppen in der Mauerstärke.
Heute
Bis August 2022 war das Gebäude Sitz des Viersener Kreisarchivs, dem auch das Stadtarchiv Kempen angegliedert wurde. Inzwischen dienen die Räume der Kreisvolkshochschule für ihre Kurse. Eine Statue Thomas von Kempens in einer Nische verweist darauf, dass die Burg über längere Zeit das Gymnasium Thomaeum beherbergte.
Galerie
Karte
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Adresse
Thomasstraße 20
47906 Kempen
Öffnungszeiten
Mo: 09:00–17:00
Di: 09:00–17:00
Mi: 09:00–17:00
Do: 09:00–17:00
Fr: 09:00–17:00
Sa: 09:00–17:00
So: 09:00–17:00
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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-07-06
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