St. Mariä Geburt
Gotische Hallenkirche in Kempen, deren reiche Ausstattung mit drei Antwerpener Retabeln die Kriegszerstörungen durch Auslagerung überdauerte.
Die katholische Propsteikirche St. Mariä Geburt in Kempen am Niederrhein ist eine gotische Hallenkirche. Ihre reiche Ausstattung überdauerte die schweren Kriegszerstörungen, weil sie rechtzeitig ausgelagert worden war.
Auf einen Blick
- Art
- Gotische Hallenkirche, katholische Propsteikirche
- Lage
- Kempen am Niederrhein, Nordrhein-Westfalen
- Bistum
- Aachen
- Patronat
- ursprünglich unter der Abtei Gladbach
- Retabel
- drei Antwerpener Altäre mit gemalten Flügeln
- Sakramentshaus
- Sandstein, 1460/61 von Konrad Kuyn
Baugeschichte
Die Marienkirche entstand um 1200, zunächst als dreischiffige, ursprünglich flachgedeckte Basilika, die um 1240 zur Gewölbebasilika umgebaut wurde. Im 14. Jahrhundert kam ein Chor mit Fünfachtelschluss hinzu, um 1400 wurde das Mittelschiff erhöht. Im 15. Jahrhundert erhielt das Bauwerk in mehreren Abschnitten seine heutige Gestalt als Hallenkirche: 1453–60 wurde der frühgotische Chor zum Hallenumgangschor umgebaut, 1482–90 schloss der Bau der Sakristei an der Chornordseite die Arbeiten ab. Von 1854 bis 1876 folgte eine umfassende Restaurierung, bei der die Ausstattung bereits dezimiert wurde.
Zerstörung und Wiederaufbau
Zwischen 1939 und 1942 lagerte man wesentliche Teile der Ausstattung aus, darunter Hochaltar, Seitenaltäre, Teile des Chorgestühls und den Orgelprospekt. Ein Bombenabwurf am 2. Oktober 1942 zerstörte ein Fenster mit Glasmalereien, woraufhin auch die übrigen Glasmalereien vom Ende des 19. Jahrhunderts ausgelagert wurden. Am 8. November 1944 gingen die verbliebenen Fensterscheiben und einige Maßwerke verloren. Am 2. März 1945 zerstörten Artilleriebeschuss und ein Bombentreffer den Kanzelpfeiler sowie die Dächer und Gewölbe des Mittel- und südlichen Seitenschiffs. Die ausgelagerte Ausstattung kehrte bereits 1945 zurück; die Gewölbe und Fenstermaßwerke wurden 1948–58 wiederhergestellt, der Innenraum 1990–93 erneut restauriert.
Architektur
Der Turm ist durch Lisenen, Rundbogenfriese und gekuppelte Zwillingsschallöffnungen gegliedert; über den gemauerten Giebeln erhebt sich ein schiefergedeckter Pyramidenhelm. Um Langhaus und Chor läuft außen ein Kaffgesims. Die Strebepfeiler tragen Pultdächer, der Chorumgang einzelne Walmdächer; Sakristei und nördliches Querschiff sind über maßwerkverzierten Giebeln mit quergestellten Satteldächern gedeckt. Im Innern ruhen Kreuzrippengewölbe auf rechteckigen Arkadenpfeilern, deren Kern aus dem Umbau um 1240 erhalten blieb; Kapitelle und Werkstücke wurden dabei wiederverwendet. Der Chorumgang ist etwas schmaler als die Seitenschiffe und mit gegeneinander gestellten Dreistrahlgewölben gedeckt. Dadurch verstellen die Pfeiler die Sichtachsen der Binnenchoröffnungen — anders als in der Lambertuskirche in Düsseldorf oder der Peterskirche in Rheinberg.
Die Antwerpener Altäre
Drei Antwerpener Retabel mit dreiteiligen Schreinen, überhöhtem Mittelteil und gemalten Flügeln prägen die Ausstattung; ihre Farbfassung ergänzten im 19. Jahrhundert die Gebrüder Krämer. Den Platz des Hochaltars nimmt seit dem 19. Jahrhundert der Annenaltar ein, den Adrian van Overbeck 1513/14 in Antwerpen im Auftrag der Annenbruderschaft für die Nordkapelle neben dem Turm fertigte; sein Mittelteil zeigt die Heilige Sippe, die Flügelaußenseiten das Jüngste Gericht. Der Jakobus- und Antoniusaltar im nördlichen Seitenschiff entstand nach 1520 und vereint Szenen aus der Legende des Jakobus Maior, der Lambertuslegende und dem Leben des Antonius Eremita; die bekrönende Figur des Antonius stammt aus dem 17. Jahrhundert. Der Marienaltar im südlichen Seitenschiff, um 1520 gefertigt, zeigt im Schrein einen Kalvarienberg und Szenen aus dem Marienleben; der Korpus des Kruzifixus stammt vermutlich aus dem 19. Jahrhundert, während die bekrönende Georgsfigur wohl ursprünglich zugehörig ist und der Altarauszug die Heiligen Georg und Quirin darstellt. Hinzu kommt ein kleiner Hausaltar aus Mecheln um 1510 mit einer geschnitzten Gruppe der heiligen Anna selbdritt.
Sakramentshaus und Glasmalereien
Das turmartige Sakramentshaus aus Sandstein schuf Konrad Kuyn 1460/61 mit einem zweigeschossigen Maßwerkturm über blockartigem Fuß. Die Rosenkranz-Darstellungen der Seitenschiffe stammen überwiegend aus der Werkstatt Hertel & Lersch (1893–1900). Heinrich Dieckmann gestaltete 1935–37 Glasmalereien zu Seiten des Westturms, die Chorfenster von 1967 schuf Wilhelm Geyer zum Thema der Nachfolge Christi. Im nördlichen Chorumgang befindet sich ein stark beschädigtes Wandbild mit Heiligen des Franziskanerordens, das eine erneuerte Inschrift auf das Jahr 1453 datiert.
Karte
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Adresse
Judenstraße 14
47906 Kempen
Öffnungszeiten
Mo: 09:30–11:30
Di: 09:30–11:30
Mi: 09:30–11:30
Do: 16:00–17:30
Fr: 09:30–11:30
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Quellen & Links
- Offizielle Website
- Wikidata (abgerufen 2026-07-06)
- Wikipedia (abgerufen 2026-07-06, rev 268531961)
- Offizielle Website (abgerufen 2026-07-06)
- openstreetmap.org (abgerufen 2026-07-06)
Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-07-06
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